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Kafka

Die Geschichte des deutschen Fußballs

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In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts war Deutschland ein Sammelsurium von Stadtstaaten, Fürstentümern und den beiden Großmächten Preußen und Österreich, die um Macht und Einfluß konkurrierten. In mehreren Kriegen setzte sich zwischen 1866 und 1871 schließlich Preußen durch, und es kam zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs. Dabei handelte es sich einerseits um eine Einigung "von oben", und andererseits um die "kleindeutsche Lösung", da Österreich ausgeschlossen war.

Etwa zur selben Zeit kamen erste Ausläufer der Fußballbewegung nach Deutschland, wo sie auf heftigen Widerstand trafen. Namentlich die nach den napoleonischen Kriegen auf Initiative von Friedrich-Ludwig Jahn entstandene Turnbewegung tat sich dabei hervor. Nach der gescheiterten Revolution von 1848 waren die zunächst demokratischen Grundprinzipien folgenden Turner ins Nationale abgedriftet und hatten begonnen, alles Nichtdeutsche kategorisch abzulehnen. Turnen wurde als einziges legitimes Mittel zur Körperertüchtigung angesehen, wobei es weniger um den Spaß an der Freude ging, als vielmehr um die Stärkung der soldatischen Tugenden sowie Ausbildung der Körperkraft.

Die von in Deutschland weilenden Briten bzw. von in Großbritannien studierenden Deutschen nach Deutschland gebrachten Ballspiele (neben Fußball bzw. Rugby vor allem Cricket, das in Deutschland "Thorball" genannt wurde) trafen vornehmlich in Hafenstädten, liberalen Handels- und Dienstleistungszentren sowie Orten mit einem größeren britischen Bevölkerungsanteil auf Resonanz. Bereits in den sechziger Jahren des 19.Jahrhunderts war es zu fußballähnlichen Spielen gekommen, an denen aber ausschließlich Ausländer - vor allem Briten - beteiligt gewesen waren. Erst 1871 wurde im niedersächsischen Braunschweig erstmals von Deutschen eine Art Fußball gespielt. Der lokale Gymnasiallehrer Konrad Koch hatte von einem Verwandten, der in England gewesen war, von dem Spiel erfahren und es versuchsweise im Kampf gegen die "Trägheit und Alkoholleidenschaft der Jugendlichen" eingesetzt. Obwohl Kochs Versuche erfolgreich waren, dauerte es bis weit in die 1880er Jahre, ehe sich das Spiel reichsweit etablieren konnte - zunächst allerdings nahezu ausschließlich in seiner Rugbyvariante. Assoziationsfußball kam erst Mitte der 1880er Jahre auf und wurde vor allem in der Reichshauptstadt Berlin sowie einigen süddeutschen Städten wie beispielsweise dem Residenzsitz Karlsruhe populär. Gespielt wurde zumeist von britischen Studenten sowie deutschen Schülern und Studenten, die überwiegend aus dem liberal eingestellten Bildungsbürgertum stammten und in der Regel weit unter 18 Jahre alt waren.

Am 4.Mai 1885 gründete der gebürtige Frankfurter Georg Leux in Berlin mit dem BFC Frankfurt den ersten deutschen Assoziationsfußballverein. Drei Jahre später entstand ebenfalls in Berlin mit dem BFC Germania der älteste noch bestehende Fußballverein des Landes. Auch aus anderen Städten wurden Klubgründungen gemeldet. In Karlsruhe beispielsweise entstand 1890 der Internationale FC, in Hamburg war bereits 1887 der HSV-Vorläufer SC Germania gegründet worden. Verwirrenderweise nannten sich in jenen Tagen sowohl Rugby- als auch Fußballvereine häufig schlicht "Fußball-Club", obwohl sie, wie der 1878 gegründete Deutsche Fußball-Verein Hannover, keinesfalls Assoziationsfußball spielten.

Die Entwicklung und Verbreitung des Fußballspiels schritt zunächst nur schleppend voran. Selbst als es Ende des 19. Jahrhunderts zur friedlichen Trennung zwischen Fußball- und Rugbybefürwortern kam - bis dahin hatten viele Vereine ein Mischform betrieben, wobei Rugby aufgrund seiner Verletzungsgefahr zunehmend in den Hintergrund gedrängt worden war - blieb die gesellschaftliche Akzeptanz aus. Von Gegnern wurde Fußball erfolgreich als "englische Krankheit" diffamiert und als für "echte Deutsche" nicht geeignete Freizeitbeschäftigung bezeichnet. Namentlich die aus der Turnbewegung hervorgegangene Deutsche Turnerschaft tat sich diesbezüglich mit einer recht bizarren Polemik hervor.

Dennoch hatte Fußball vor der Jahrhundertwende in weiten Teilen des Reiches Fuß fassen können. Überall waren Vereine und Verbände entstanden; 1891 hatte man in Berlin sogar schon eine Fußball-Liga einrichten können. Neben Schülern und Studenten hatte die zwischen 1890 und 1910 landesweit exorbitant anwachsende Gruppe der Angestellten Interesse an dem Spiel entwickelt, was dazu führte, dass Deutschlands Fußballszene insbesondere in Dienstleistungszentren wie Berlin, Hamburg, Leipzig, Frankfurt, Karlsruhe und München stark war.

Um einen besseren Organisationsgrad zu erreichen sowie die Verbreitung über das gesamte Reichsgebiet zur forcieren, gründeten einige führende Vereine und Regionalverbände im Januar 1900 den Deutschen Fußball-Bund, zu dessen Aufgaben neben der Schaffung einheitlicher Spielregeln die Einreichtung eines Spielklassensystems zählte. Diesbezüglich konnten rasch Erfolge verbucht werden, denn bereits 1903 konnten die Meister der Regionalverbände in einer k.o.-Runde erstmals um die deutsche Meisterschaft spielen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten - neben diversen Manipulationsversuchen hemmte ein Dauerstreit zwischen den unterschiedlich großen und einflußreichen Regionalverbänden die Entwicklung - konnte sich diese Meisterschaftsendrunde etablieren und wurde schließlich zwischen 1905 und 1908, als es auf Druck des DFB landesweit zur Einrichtung großräumiger Regionalverbände kam, zur allseits akzeptierten Dauereinrichtung. Deutschlands erste fußballerische Leistungszentren waren Berlin, Sachsen (Leipzig, Dresden) und Süddeutschland (Karlsruhe, Freiburg, Stuttgart, München, Nürnberg/Fürth). Bis zum 1.Weltkrieg kamen sämtliche Meister - mit Ausnahme Holstein Kiel - aus den genannten Regionen. Spieltechnisch hinkte der deutsche Fußball der europäischen Entwicklung zunächst allerdings ein wenig hinterher. Lange Zeit wurde eine körperbetonte kick-and-rush-Variante bevorzugt, die stark an die Rugbyvergangenheit erinnerte und erst durch den wachsenden Einfluß ausländischer Trainer in ein technisches Spiel transferiert wurde. Besonders William Townley, der vor dem 1.Weltkrieg u.a. Bayern München und die SpVgg. Fürth trainierte, machte sich dabei einen guten Namen.

Bis zum 1.Weltkrieg blieb Deutschlands Fußballbewegung eine bürgerlich dominierte Randgruppe. Auch das Zuschauerinteresse war begrenzt. Die Rekordkulisse wurde beim 1911er Endspiel um die deutsche Meisterschaft erreicht, als 12.000 Zuschaer nach Dresden kamen. Allerdings wurde das Spiel im Rahmen einer renommierten Ausstellung ausgetragen. Weder breite Öffentlichkeit noch Medien nahmen allzuviel Notiz vom Fußball. Das betraf auch die Nationalmannschaft, die ihr Debüt 1908 mit 3:5 in der Schweiz verlor und lange Zeit unter einer von den Regionalverbänden dominierten Berufungspraxis litt, bei der Nationalspieler nicht nach sportlichen Gesichtspunkten ausgewählt wurden, sondern nach regionalem Proporz.

Während des 1.Weltkriegs fungierte Fußball an den Frotnen und in der Heimat als beliebte Entspannungsübung, was seine Verbreitung sowohl in räumlicher als auch in gesellschaftlicher Hinsicht enorm förderte. Namentlich die Arbeiterschaft, die bis 1914 durch lange Arbeitszeiten und Behinderungen seitens der Obrigkeit am Spielen gehindert worden war, entdeckte den Fußball. Während nach Kriegsende aus der deutschen Monarchie eine Demokratie wurde, begann ein regelrechter Boom, der die Grundlage zur Entstehung des "Volkssports Fußball" legte. Zwischen 1913 und 1920 verdreifachte sich beispielsweise die Mitgliederzahl beim DFB, was insbesondere in Anbetracht der hohen Zahl der hunderten Kriegstoten eine bemerkenswerte Steigerung darstellte. Zugleich wurde aus Fußball ein Zuschauermagnet. Zum ersten Endspiel um die Deutsche Meisterschaft nach Kriegsende kamen am 13.Juni 1920 über 35.000 Zuschauer - womit die Rekordkulisse von 1911 gleich um das dreifache überboten wurde!

Parallel zur Entwicklung zum Arbeiter- bzw. Zuschauersport kam die Profifrage auf ,die Fußball-Deutschland in den zwanziger Jahren dominieren und in seiner Entwicklung hemmen sollte. Dabei standen sich zwei Gruppen gegenüber: Die Funktionäre, die in der Regel aus der Pionierzeit des Fußballs stammten, als das Spiel noch eine elitäre Freizeitbeschäftigung gewesen war, und die ungeachtet der europaweiten Professionalisierung stur an den Prinzipien des Amateurfußballs festhielten, sowie die Aktiven, denen der Fußballboom zwar entscheidend mit zu verdanken war, die aber zugleich herzlich wenig davon profitierten: Während ihre Vereine angesichts der gefüllten Stadien hohe Gewinne machten, bekamen sie in der Regel lediglich einen minimalen Verdienstausfall.

Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse jener Tage (Versailler Vertrag, Ruhrbesetzung etc.) barg die Profidebatte zudem einen gewissen sozialen Zündstoff, denn auch Spitzenspieler waren häufig von Arbeitslosigkeit bedroht. "Schwarze Kassen", deren Entdeckung vom DFB harsch bestraft wurde, waren ebenso an der Tagesordnung wie damit verbundene Sperren. Der spätere Reichstrainer Sepp Herberger beispielsweise wurde Anfang der zwanziger Jahre gesperrt, weil er für einen Vereinswechsel Geld kassiert hatte, und Ende der zwanziger Jahre mußte die berühmte Mannschaft von Schalke 04 aus vergleichbaren Gründen zwangspausieren.

Die unzeitgemäße DFB-Politik, die in dem Verbot von Freundschaftsspielen gegen ausländische Profimannschaften gipfelte, erwies sich als enorm schädlich für das Leistungsniveau des deutschen Fußballs. Nachdem Anfang der zwanziger Jahre Klubs wie der 1.FC Nürnberg, die SpVgg Fürth oder der Hamburger SV international deutlich an Renommee gewonnen hatten, kam es zu einer Stagnation, die vor allem die Nationalelf betraf, deren Leistungen häufig weit unter dem eigentlichen Niveau des deutschen Fußballs blieben. Zudem blieb sie bis 1926 trainerlos - eine Ausnahmeerscheinung im europäischen Spitzenfußball.

Ein weiteres Problem war die "Kleinstaaterei" innerhalb des DFB, dessen sieben Regionalverbände ihr eigenes Süppchen kochten. Jeder Verband wachte eifersüchtig auf die Wahrung seiner eigenen Interessen, wodurch die Herausbildung einer leistungsstarken Elite verhindert wurde. Die regelmäßig vorgetragene Forderung nach Einführung einer Nationalliga beispielsweise wurde ebenso regelmäßig abgelehnt. In den zwanziger Jahren war Deutschlands Spielklassensystem europaweit betrachtet nahezu einzigartig rückständig. Während in den führenden Fußballnatinoen längst landeswiete Profiligen Usus waren, verfügten in Deutschland nicht einmal die Regionalverbände über Leistungsspielklassen. In Mitteldeutschland beispielsweise gab es mitunter bis zu dreißig "1.Ligen", wodurch es zu einer schädlichen Verwässerung kam. International hatte Deutschland unter diesen Umständen kaum etwas zu bestellen - zumal auch noch die politischen Folgen des 1.Weltkriegs über dem Land hingen, das als Krigsschuldiger zum internationalen Zankapfel geworden war. Die Frage, ob der DFB wegen des Krieges aus der FIFA ausgeschlossen werden solle, hatte beispielsweise 1920 zum Austritt der vier britischen Verbände aus dem Weltfußballverband geführt, denn vor allem aus aufgrund Schweizer Fürsprache war Deutschland FIFA-Mitglied geblieben. In der Praxis war das Nationalteam dennoch in vielen Ländern geächtet, wodurch die angesichts des erwähnten "Profiboykotts" ohnehin eingeschränkte Gegnerzahl noch weiter reduziert worden war. Den Vereinen erging es nicht viel besser. Am 1927 eingeführten Mitropacup durften sie nicht teilnehmen, weil es sich um einen Wettbewerb handelte, an dem auch Profivereine teilnahmen.

Sportlich dominierte zunächst die fränkischen Nachbarn SpVgg Fürth und 1.FC Nürnberg, die sich bis 1929 ein spannendes Rennen um die Nummer 1 in Deutschland lieferten, das nationale Geschehen. Nürnberg, das mit einem kühlen Sicherheitsfußball "ungarisch" spielte, wurde fünfmal MEister, derweil Fürth, das beinahe draufgängerischen, schön anzusehenden Angriffsfußball bot, oftmals im entscheidenden Moment versagte und nur zweimal den Titel errang. Mit Akteuren wie Stuhlfauth, Bark, Schmidt, Kalb, Riegel, Hochgesang, Wieder, Träg (Nürnberg) und Hagen, Krauß, Leinberger, Franz, Seiderer (Fürth) standen zahlreiche Spitzenspieler in den Reihen der beiden Teams, die auch den Stamm des Nationalteams bildeten. Einziger echter Konkurrent war zunächst der Hamburger SV, der 1919 durch Fusion dreier Vereine entstanden war und als erster Klub in Deutschland auf systematische Förderung und professionelle Vereinsführung setzte. Zahlreiche Akteure der "Rothosen" kamen von außerhalb. Torjäger Tull Harder beispielsweise stammte aus Braunschweig, sein kongenialer Mitspieler Asbjörn Halvorsen aus Norwegen. Wie Fürth wurde auch der HSV zweimal Meister.

National war Fußball Mitte der zwanziger Jahre endgültig ein Massenereignis geworden. Durch den Bau zahlreicher Großstadien sowie der Umwandlung vieler Exerzierplätze in Fußballfelder - möglich durch die im Versailler Vertrag festgelegte Reduzierung des deutschen Heeres auf 100.000 Mann - waren zugleich die entsprechenden räumlichen Grundlagen geschaffen worden. Allein die damit einhergehende wachsende Zahl gewalttätiger Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit Fußballspielen bereitete Sorgen. Für viele fungierte Fußball schon damals als Ventil für aufgestauten Alltagsfrust, was allerdings ebenso wie der wachsende Enfluß ausländischer Spieler und Trainer, das Aufkommen einer Fachpresse ("kicker", "Fußball") sowie die Entstehung von Totowetten symptomatisch für die wachsende Bedeutung des Fußballs im gesellschaftlichen Leben Deutschlands war.

Nach einer von Hertha BSC Berlin, Bayern München und 1860 München sowie Holstein Kiel geprägten Übergangsphase in den späten zwanziger Jahren begann 1933 das Zeitalter der westdeutschen Teams, die bis dato nur eine Nebenrolle gespielt hatten. 1933 gewann mit Fortuna Düsseldorf erstmals ein Westklub die Meisterschaft. 1934 begann schließlich die Ära der Schalker Knappen, die binnen weniger Jahre zum Mythos werden sollten. Das königsblaue Ensemble um die ursprünglich als Bergleute aus den preußischen Ostgebieten (heutiges Polen) gekommenen Starkicker Fritz Szepan und Ernst Kuzorra bestach durch eine in Deutschland nie zuvor gesehene Kombination aus dem der schottischen Schule entnommenen Kurzpaßspiel, einer dem Wiener Stil abgeschauten Eleganz sowie dem urdeutschen Kraftspiel. Der "Kreisel", wie das Ergebnis genannt wurde, machte Schalke 04 bis in die vierziger Jahre fast unschlagbar.

Nach Hitlers Machtantritt im Januar 1933 erfuhr die deutsche Gesellschaft eine grundlegende Umwälzung. Das betraf auch den Fußball, der nun zum "Staatsgut" wurde. Noch 1933 wurde die gesamte Sportbewegung "gleichgeschaltet", was beispielsweise das Verbot des Arbeitersports beinhaltete und den Vereinen eine "Einheitssatzung" vorschrieb, die u.a. die Mitgliedschaft von Juden untersagte. Zugleich wurden die sieben Regionalverbände aufgelöst und durch 16 Gaue ersetzt, in denen jeweils ein Gauliga eingerichtet wurde. Damit gab es zwar erstmals ein einheitliches Ligasystem, zugleich wurde jedoch die unmittelbar bevorstehende Einführung einer Nationalliga auf Profibasis verhindert. Im Frühjahr 1933 hatte der DFB entsprechende Beschlüsse fassen wollen, was nach dem Machtwechsel hinfällig geworden war, da die neue Führung bezahlten Fußball konsequent ablehnte. Feilich wurde zugleich eine "stille Verprofessionalisierung" geduldet, bei der die Spitzenakteure auf lukrative und "gemütliche" Posten innerhalb ihrer Betriebe versetzt wurden. Unter den Nationalsozialisten wurde vor allem die bis dato bestenfalls zweitrangige Nationalmannschaft gefördert. Hintergrund war die ihr zugedachte Rolle als Repräsentant des "neuen Deutschlands", der zugleich die Überlegenheit der arischen Rasse demonstrieren sollte.

Angesichts des vorhandenen Spielerpotentials war das neue Konzept rasch von Erfolg gekrönt. 1934 beispielsweise wurde das seit 1926 von Otto Nerz trainiert Team bei der WM in Italien überraschend Dritter. Anschließend gab es jedoch regelmäßig Enttäuschungen, wie bei den 1936er Olympischen Spielen, als Deutschland vor den Augen Hitlers sensationell an Norwegen scheiterte, oder 1938, als die Mannschaft bei der WM in Frankreich bereits im ersten Spiel ausschied. Das frühe Aus hatte seine Ursache auch in der aggressiven Aussenpolitik, die Deutschland unter Hitler führte. Im März 1938 war Österreich an das Deutsche Reich "angeschlossen" worden, woraufhin die beiden Reichstrainer Nerz und und Herberger (war 1936 nach der Olympiapleite aufgerückt) wenige Wocher vor WM-Beginn auf höhere Anweisungen ihre eingespielte "deutsche" Mannschaft durch eine nicht miteinander harmonierende "deutsch-österreichische" Kombination hatte ersetzen müssen.

Parallel dazu geriet Deutschland allmählich in den Bann des akribisch vorbereiteten und am 1.September 1939 per Angriff auf Polen begonnenen 2.Weltkriegs. Auf den Fußball hatten die Kriegsereignisse zunächst jedoch nur wenig Auswirkungen. Bis 1942/43 gab es praktisch keine Einschränkungen im nationalen wie internationalen Spielbetrieb, wobei letzterer natürlich nur noch mit den Büdnispartnern gepflegt wurde. Auch, dass Deutschland zunächst größer wurde, erwies sich als problemlos. Die erbeuteten Gebiete erhielten ebenfalls ein Gauliga und wurden umgehen in das deutsche Meisterschaftssystem integriert. 1941 sicherte sich mit Rapid Wien sogar ein Klub aus den betroffenen Regionen die Meisterschaft, 1938 und 1943 gewonnen Wiener Mannschaften den seit 1935 jährlich ausgespielten von-Tschammer-Vereinspokal. Nachdem der Krieg aus deutscher Sicht in Stalingrad eine Wende erlebte, war er auch ab 1943 auch in Deutschland deutlich zu spüren. Luftangriffe häuften sich, Nahrungsmittelknappheit setzte ein, die Infrastruktur fiel Bomben zum Opfer. Ungeachtet dessen wurde weiterhin Fußball gespielt, wobei der Spielbetrieb sowohl in den Gauligen als auch in der Meisterschaftsendrunde allerdings zur Farce wurde. Ständig wechselnde Mannschaftsbesetzungen und eine zunehmende räumliche Reduzierung der Spielklassen ließen das Niveau völlig verwischen, so dass es regelmäßig zu kuriosen Ergebnissen wie den 32:0 Sieg von Germania Mudersbach über FV Engers (1943) kam. Auch organisatorisch ging es drunter und drüber. Ab 1942 musste die Endrunde um die deutsche Meisterschaft wieder im k.-o.-System durchgeführt werden, wobei die Gegner nicht zugelost sondern nach geographischen Gesichtspunkten "gesetzt" wurden. 1944 wurde unter diesen Umständen mit dem Dresdner SC um die neuen Superstars Richard Hofmann und Helmut Schön der letzte "Großdeutsche Meister" ermittelt, wobei der sportliche Wert der Meisterschaft angesichts der geschilderten Umstände zweifelhaft war. Im Laufe des Frühjahrs 1945 musste der Spielbetrieb in ganz Deutschland dann nach und nach eingestellt werden.

Fortsetzungen:

Teil 2: Bundesrepublik Deutschland

Teil 3: Deutsche Demokratische Republik

folgen

Quelle: Grüne, Hardy: Enzyklopädie der europäischen Fußballvereine, AGON Sportverlag, 2000

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