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mariodonna

Casting Shows im Fussball

2 Beiträge in diesem Thema

Traurig aber wahr der Bericht. Für diejenigen die sonst kaum was lesen eine gute Gelegenheit wieder einmal diese Fähigkeit zu üben. Wer auf Hörbücher steht kann mich anrufen :=

Die Investment-Broker des Fußballs

VON WOLFGANG HETTFLEISCH UND JAN CHRISTIAN MÜLLER

Alle paar Monate taucht ein neuer Name auf. Dann werden wieder die unvermeidlichen Vergleiche gezogen. Ist es ein Argentinier, heißt es sogleich: das größte Talent seit Diego Maradona. Ist es ein Brasilianer, folgt unweigerlich die Frage: Ist es der neue Pelé? Der aktuelle Maradona heißt Lionel Messi, ist 18 Jahre alt und wurde vom FC Barcelona, wo er schon als 13-jähriger anheuerte, inzwischen mit einem Vertrag bis 2014 ausgestattet. Der jüngste Pelé-Erbe trägt den blumigen Namen Anderson Luís Abreu Oliveira. Anderson ist 17, wurde bei der U 17-WM als bester Spieler ausgezeichnet und steht seit Sommer beim FC Porto in Lohn und Brot.

Die Großklubs aus Spanien und Portugal, so darf gefolgert werden, kennen inzwischen jedes Kind, das in Südamerika wegen seiner ausgefeilten Balltechnik auffällt. Ethische Fragen wie jene, in welchem Alter einem Heranwachsenden das Leben als angehender Fußballprofi in der Fremde eigentlich zugemutet werden darf, spielen bestenfalls eine untergeordnete Rolle. Bei der Spielersuche geht es um die Marktposition der Klubs im scharfen Wettbewerb des Profifußballs und damit um sehr viel Geld.

"Die richtigen Verpflichtungen sind nun mal die Basis einer erfolgreichen Arbeit", sagt Michael Reschke. Der Sportmanager von Bundesligist Bayer 04 Leverkusen steht der Scoutingabteilung eines Klubs vor, der sich über Jahre den Ruf erwarb, ein glückliches Händchen bei der Spielersuche zu haben. Stars wie der zu Bayern München abgewanderte Lucio oder dessen brasilianischer Nationalmannschaftskollege Emerson (Juventus Turin) fassten nach ihrem Wechsel nach Europa zunächst im übersichtlichen Fußball-Mikrokosmos Leverkusen Fuß.

"Das Entscheidende für den jungen Spieler ist die Spielpaxis auf bestmöglichem Niveau", sagt Reschke. Was er meint, macht unter anderem das Beispiel Robert Huth deutlich. Der Berliner hat wenig davon, im erlesenen Kader des FC Chelsea zu stehen, wenn er in Premier League und Champions League so gut wie nicht zum Einsatz kommt. "Die Gefahr eines Fehlwechsels ist ungeheuer groß", sagt Helmut Schulte, Jugendleiter und Chefscout des FC Schalke 04. "Da spielt, ohne jetzt Schuldzuweisungen zu machen, natürlich auch Geld eine Rolle", so der ehemalige Cheftrainer des FC St. Pauli.

Beim Transfer eines Fußballers sind viele Faktoren im Spiel - nicht zuletzt die Frage, über welche Kontakte der Spielervermittler verfügt, der den jeweiligen Profi vertritt. Das führte einst zu der bizarren Situation, dass beim 1. FC Kaiserslautern gleich zwölf Spieler unter Vertrag standen, die samt und sonders die Dienste der Agentur Rogon des Spielerberaters Roger Wittmann in Anspruch nahmen. Aktuell ist Rogon so etwas wie der Hoflieferant von Schalke 04. Bei den Verpflichtungen von Bordon, Lincoln, Kuranyi, Ernst und Rafinha war die Agentur involviert. Lauterns Hoffnungsträger Halil Altintop, dessen Bruder Hamit bereits beim Revierklub spielt, könnte der nächste Neu-Schalker aus der Riege der Rogon-Klienten sein.

Wittmanns Agentur profitierte davon, dass der Rogon-Angestellte Karl-Heinz Förster früh auf Kevin Kuranyi aufmerksam wurde, der seinen brasilianischen Landsleuten fortan die Dienste von Rogon empfahl. Ein Schneeballsystem, das - siehe Schalke 04 - Folgen hat. "Als Berater", berichtet Stefan Backs, einst bei Rogon angestellt und inzwischen mit seiner eigenen Agentur "extratime" Manager von fast 40 Spielern, "wirst du regelmäßig auch zum Scout". Dass Klubs ohne eigene Scouting-Abteilung Berater mit der Suche nach Verstärkungen oder Talenten beauftragen, gehört zum Tagesgeschäft. Backs hat deshalb die Ex-Profis Michael Schulz und Axel Sundermann als freie Mitarbeiter an seine Agentur gebunden. "Die fahren zu Jugendturnieren und sichten dort, machen Termine mit Talenten und sprechen mit den Eltern." Auch Backs selbst ist viel unterwegs. Neulich gerade beim Länderspiel Bosnien gegen Dänemark "saßen außer mir nur Scouts oder Spielerberater mit im Flieger". Denn in Bosnien sind Talente noch preisgünstig. "Es gibt kaum einen telantierten Spieler, egal wo auf dem Erdball", sagt Backs, "den gute Scouts nicht kennen."

Arbeiten die Vermittler juristisch sauber, hält sich die Profi-Gewerkschaft Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) raus. "Die grundsätzliche Entscheidung bei einem Vereinswechsel trifft der Spieler, und so lange es da keine Konflikte mit dem Berater gibt, mischen wir uns nicht ein", sagt VdV-Sprecher Ulf Baranowsky.

Die Bundesliga-Klubs versuchen das Risiko teurer Fehlgriffe durch ein immer ausgefeilteres Sichtungssystem zu minimieren. So verschafft sich Schalke 04 ab der Altersgruppe U 16 einen bundesweiten Überblick und nutzt, um international auf dem Laufenden zu sein, den englischen Internet-Dienstleister Scout7, der den Spielbetrieb weltweit verfolgt und über eine Datenbank verfügt, die 70 000 Fußballer erfasst. Spieler, die das Interesse des Revierklubs wecken, werden nach Kategorien katalogisiert. Kategorie 1 bedeutet: Sofort verpflichten! Wer glaubt, beim Scouting gehe es primär darum, neue Spieler zu holen, der irrt. Schultes überraschende Jobbeschreibung lautet so: "In erster Linie macht sich ein Scout bezahlt, indem er Transfers verhindert, und erst in zweiter Linie dadurch, dass er sie ermöglicht."

Und nur wer in der "Abteilung Forschung und Entwicklung" (Schulte) exzellentes Personal hat, trifft mehrheitlich die richtigen Entscheidungen. "Vor allem im Jugendbereich fühlen sich viele befleißigt, Stellung zu nehmen, die zuletzt mit der Materie zu tun hatten, als sie noch selbst in der Jugend spielten", lästert der 48-Jährige. Dabei handle es sich im Scouting insgesamt "um absolute Expertenjobs", die ohne entsprechende Erfahrung nicht adäquat zu leisten seien.

Alle Routine macht die professionellen Kiebitze nicht unfehlbar. "Sie können sich nicht vorstellen, wie wir hier Spieler zerlegen, wie tief wir in die einzelne Personalie eintauchen", sagt Michael Reschke, und doch gebe es "viele Unwägbarkeiten". Jeder wisse ja, "dass Spieler bei dem einem Klub funktionieren und beim anderen nicht".

Die fußballerische Qualität allein ist kein Garant dafür, dass eine Neuerwerbung den Durchbruch schafft. Die Verwirrung um den Neu-Leverkusener Athirson zeigt, wie knifflig die Personalpolitik sein kann. Ex-Trainer Klaus Augenthaler stänkerte vor seiner Entlassung, man habe ihm einen linken Außenverteidiger als Nachfolger von Diego Placente versprochen, und bekommen habe er einen offensiven Außenbahnspieler. Dabei gilt Bayer-Headscout Norbert Ziegler als einer der profundesten Kenner des südamerikanischen Fußballs hierzulande und als Glücksfall für den Werksklub. Reschke betont, alle Verantwortlichen hätten bei der Entscheidung für den Brasilianer eng zusammengearbeitet, wohl wissend, "dass er die Rolle anders interpretieren wird als Placente und defensiv nicht seine größten Stärken hat". Ein Tor und vier Torvorlagen von Athirson in der noch jungen Saison ließen die Kritik inzwischen verstummen.

"Scouts", sagt Helmut Schulte illusionslos, "sind potenzielle Wahrsager." Und die Möglichkeit des Fehlurteils sei immanent. "Es geht immer um die Quote", bestätigt sein Leverkusener Kollege Reschke. Wenn man so will, sind Schulte, Reschke und Co. von den Klubs bestallte Profi-Zocker. Sie sind die Investment-Broker des Fußballs. Und längst haben ihr Geschick und ihre Fortüne maßgeblich Anteil an Aufstieg oder Niedergang eines Profiklubs.

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Zuhälterei in moderner, lukrativerer Form.

Schaut euch also um in eurer Nachbarschaft. Solltet ihr einen Jungen (oder Mädchen) mit Talent entdecken macht gleich mit den Eltern einen Vorvertrag, Das kann sich später lohnen.... :nein:

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