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LaCoste84

Qualität der Gewalt ändert sich

2 Beiträge in diesem Thema

Die Probleme mit randalierenden Fans nehmen im Schweizer Fussball zu – auch beim FC St. Gallen. Ein Gespräch mit dem Sportsoziologen Gunter A. Pilz über die steigende Gewalt neben dem Stadion.

Herr Pilz, nach dem Auswärtsspiel in La Chaux-de-Fonds hinterliessen randalierende Anhänger des FC St. Gallen eine Spur der Verwüstung. Vor dem Uefa-Cup-Hinspiel in Kopenhagen wurden rund 100 Zürcher Hooligans verhaftet. In der Schweiz nehmen die Probleme mit den Fans massiv zu. Überrascht Sie diese Entwicklung?

Gunter A. Pilz: Anscheinend ist die Schweiz auch in dieser Beziehung etwas langsamer. Sie holt etwas nach, was in anderen Ländern schon vor einigen Jahren zu einem Problem wurde. Ich weiss nicht genau, wie die Situation der Jugendlichen in der Schweiz aussieht. Aber ich gehe davon aus, dass es auch in der Schweiz eine Jugendarbeitslosigkeit gibt. Anhänger, die randalieren, bauen damit ihr Selbstwertgefühl auf. Sie zeigen, wozu sie fähig sind. In der Schweiz wurde dies von den Basler Fans ja vorgelebt. Und Tatsache ist: Die Ultra-Szene wird immer grösser und vermischt sich zum Teil auch mit Hooligans.

In La Chaux-de-Fonds beschädigten rund 60 Ostschweizer Randalierer Privat- und Polizeiautos, Fensterscheiben, Gebäude und öffentliche Einrichtungen. Woher kommt diese blinde Zerstörungswut?

Pilz: St. Gallen ist eine grössere Stadt als La Chaux-de-Fonds. Dann kommen die Anhänger in diese tiefste Jura-Provinz und sagen sich: «Wir sind wer und hauen hier anständig auf den Putz.» Das vermittelt ihnen ein Allmachts-, ein Herrschaftsgefühl. Zudem laden sie den Frust ab. Ein Hooligan aus Hamburg hat einst gesagt: «Mein Vater war ein Spitzenpaddler. Und wenn er als Erster über die Ziellinie gepaddelt ist, fand er das geil. Ich finde es geil, wenn ich einen vor mir auf dem Boden liegen sehe.» Für sie ist es auch geil, wenn die Leute wegen ihnen auf die andere Strassenseite wechseln. Fast alle dieser Hooligans weisen eine mangelhafte Identität auf. Und sie beschäftigen sich mit den Fragen: Wer bin ich? Was wird aus mir? Was kann ich? Wir leben in einer Zeit, in einer Gesellschaft, in der Jugendliche doch vornehmlich erfahren, was sie nicht können. Als Randalierer zeigen sie, dass sie etwas können. Oft setzen sie Bilder von ihren Taten auch noch ins Internet und haben damit ein weiteres positives Erlebnis. Ihr Selbstwertgefühl wird dadurch weiter gesteigert. Nun sind die Vereine gefordert. Sie müssen wieder die Nähe zu den Fans herstellen. Etwas, das in den vergangenen Jahren im Sinne der Kommerzialisierung auf der Strecke blieb.

Es entsteht auch der Eindruck, dass die Hemmschwelle immer niedriger wird. Täuscht das?

Pilz: Das ist völlig richtig. Wobei dies ein allgemeines Phänomen ist. Die Qualität der Gewalt ändert sich. Sie wird immer brutaler. Bei den Hooligans gibt es einen so genannten Ehrenkodex, an den sich aber immer weniger halten. Und dann gibt es noch ein weiteres Problem. In den Medien wird von dieser Randale berichtet. Das zieht immer mehr Jugendliche an, die nichts mit dem Fussball, mit dem Verein zu tun haben. Sie gehen einfach hin, weil sie wissen, dass da immer etwas los ist.

Im Falle des FC St. Gallen hat der Klub praktisch ausschliesslich bei Auswärtsspielen Probleme mit den Anhängern. Wie erklären Sie sich das?

Pilz: Das ist das Auswärts-Phänomen und ein typisches Hooligan-Verhalten. Bei den Heimspielen treten sie äusserst unauffällig auf, weil sie sich bewacht, beobachtet fühlen. Ein Auswärtsspiel hat meist auch eine lange Zugfahrt zur Folge. Während dieser schaukeln sie sich gegenseitig hoch und dann kommt auch noch der Alkohol dazu. Auf der Anfahrt findet ein gruppendynamischer Prozess statt. Sie werden zu einer verschworenen Gemeinschaft. Denn in der Gruppe sind sie immer mutiger.

Der FC St. Gallen hat auf die jüngsten Vorfälle mit harten Sanktionen reagiert. Er hat die 24 festgenommenen Randalierer schweizweit mit einem unbefristeten Stadionverbot belegt. Ist das ein Weg, um die Probleme in den Griff zu bekommen?

Pilz: Das ist äusserst zwiespältig. Denn die Randale fanden ausserhalb des Stadions statt. Aber vielleicht ist es ein Mittel, um sie zur Vernunft zu bringen.

Dann wäre, wie Sie gesagt haben, «die Nähe zu den Fans herstellen» der erfolgversprechendere Weg?

Pilz: Das ist auch nur ein kleiner Schritt. Es müsste zugleich auch mehr Fan-Betreuer und Projekte geben, die vorsehen, dass die Anhänger auch sozialpädagogisch begleitet werden. In Deutschland nennen sich diese Leute «Streetworker». Und die Polizei muss ebenfalls hart und konsequent durchgreifen. Ich fand es richtig, als die Polizei im vergangenen Frühling vor dem Spiel Grasshoppers – Basel einen Zug rausgenommen hat. Auch wenn es dabei zum Teil auch die Falschen getroffen hat. Aber wer in einem Pulk mitfährt, dem hundert Chaoten angehören, und sich nicht von ihnen distanziert beziehungsweise sie an ihrem Tun hindert, kann sich hinterher nicht darüber beklagen. Man muss sich klar von diesen distanzieren.

Was muss Ihrer Meinung nach gemacht werden, um die Gewalt der Hooligans unter Kontrolle zu bekommen?

Pilz: Ich sehe dafür ein viergliedriges System. Erstens: Selbstregulierung innerhalb der Szene. Heute ist es doch so: Wenn einige Anhänger randalieren, reagieren die anderen nicht, sie unterstützen diese auch nicht. Doch wenn dann die Polizei einschreitet, solidarisiert sich der ganze Fanblock mit den Chaoten. Das ist eine fatale Sache für die Sicherheitskräfte. Also muss es das Ziel sein, dass einige in die Verantwortung genommen werden, die sich in diesen Kreisen bewegen und die dabei behilflich sind, die Randalierer zur Räson zu bringen. Zweitens: Einsetzen von Fanbeauftragten der Vereine und Einrichtung von sozialpädagogisch arbeitenden Fanprojekten. Drittens: Reichen diese beiden Punkte nicht aus, muss die Polizei eingreifen. Und in diesen dritten spielt der vierte Punkt hinein. In Deutschland wird bei politischen Demonstrationen erfolgreich mit einem Konflikt-Beamten-Modell gearbeitet. Das sind Polizisten, die speziell ausgebildet sind und sich zu den Köpfen der jeweiligen Gruppen und Gewaltszenen begeben, wenn sich die Lage zuspitzt. Sie gehen hin und sagen, dass die Sicherheitskräfte mit diesen und diesen Methoden vorgehen würden, wenn sie die Probleme nicht selber regeln würden. Dieses Modell soll nun auch im Fussball, vor allem während der WM-Endrunde 2006 in Deutschland, eingesetzt werden. Damit wird eine Solidarisierung unter den Anhängern verhindert.

Interview: Markus Scherrer

Quelle: http://www.tagblatt.ch/index.jsp?artikel_i...9&ressort=sport

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hab ichs chon im anderen thread gepostet, passt hier sogar noch besser:

der pilz redet doch von zeug wovon er a) keine ahnung hat oder b) wenig informiert ist.

zudem formuliert er alles immer so dass es gerade dem gefällt welchem er gefallen möchte.

ich war einmal an einer podiumsdiskussion mit ihm. da hat er regelrecht die seite der zuschauer (alles basler fans) ergriffen und wurde quasi fast schon gefeiert. ich hab ihm das damals noch abgekauft, doch der wollte sich einfach auf die seite der mehrheit stellen.

wenn ich interviews von ihm lese in welchen er solche antworten gibt..

...

Ich fand es richtig, als die Polizei im vergangenen Frühling vor dem Spiel Grasshoppers – Basel einen Zug rausgenommen hat. Auch wenn es dabei zum Teil auch die Falschen getroffen hat. Aber wer in einem Pulk mitfährt, dem hundert Chaoten angehören, und sich nicht von ihnen distanziert beziehungsweise sie an ihrem Tun hindert, kann sich hinterher nicht darüber beklagen...

...dann kann ich nur noch den kopf schütteln. es beschreibtw ieder einmal sehr gut wie der herr pilz einfach irgendwelche stumpfsinn rauslässt ohen sich davor genügend informiert zu haben.

damals wurden nämlich alle basler in basel bereits genötigt den zug zu benützen und wurden dann in zürich gleich eingekesselt. man hatte also keine andere möglichkeit!

und wenn man dann von 427 nur irgendwie 3 etwas anschulden kann (zT cannabis besitz...), dann ist das einfach eine schweinerei. da kamen nicht wenige unschuldige in den knast , nein praktisch alle waren unschuldig!

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