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Those were the days

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Gefunden in der PRESSE - tja, those were the days

Reminiszenz:

"Wenn die Gschertn kumman"

Von Manfred Kadi (Spectrum) 25.06.2005

Statt Rapid oder Austria heißen die Gegner heute Gratkorn oder Untersiebenbrunn. Aber damals, vor 40 Jahren, war man ganz groß: wie der Lask als erster Bundesländer-Klub Österreichs Fußballmeister wurde. Eine Reminiszenz.

Das Datum seines Hochzeitstages kann der 68-jährige Linzer Hans Kunze unmöglich vergessen. Einige Stunden nach seiner Trauung in der Linzer Familienkirche und den Hoch-Rufen für das Brautpaar an der Festtafel im Stadtkeller begab sich an jenem denkwürdigen 3. Juli 1965 knapp 200 Kilometer ostwärts schier Unglaubliches: Der Linzer Athletik Sport Klub (Lask) wurde Samstag nachmittags im fernen Wien mit einem 2:0-Sieg gegen den FC Vienna zum ersten Mal in seiner Geschichte österreichischer Fußballmeister, ein bis dahin beispielloses Husarenstück eines Vereins aus der Provinz. Es sollte für den Lask der einzige Meistertitel der höchsten Spielklasse bis auf den heutigen Tag bleiben.

Die Stunden, als sich die Nachricht aus Wien verbreitete und Oberösterreichs Landeshauptstadt vom beschaulichen Idyll zwischen Hochöfen und Mühlviertel in ein Tollhaus verwandelte, sind dem damals frisch getrauten Fußball-Aficionado Kunze noch 40 Jahre danach im Gedächtnis eingebrannt: "Wir sind nach der Hochzeitsfeier in die Wohnung meiner Eltern gegangen und haben uns die Radioübertragung angehört." Der Vater und Trauzeuge des Bräutigams, selbst ein Fan des runden Leders, zog sich mit seinem Buam und den männlichen Mitgliedern der Hochzeitsgesellschaft in ein Nebenzimmer zurück. Dort lauschten die Herren im festlichen Anzug Edi Fingers aufgeregten Schilderungen der Freistöße, Eckbälle und Torschüsse der Schwarzweißen, wobei sie "eine oder mehrere Flaschen Wein gekippt haben" - so genau will sich Hans Kunze nicht mehr festlegen.

Seit jenem Julitag floss viel Wasser die Donau abwärts von Linz nach Wien, die Heldenlegenden der Athletiker von einst werden von der Generation 60 plus weiter gewoben: an den Stammtischen, zuweilen mit Hilfe vergilbter Zeitungsausschnitte. Linksaußen Franz Viehböck hat die schriftlichen Zeugnisse der glorreichen Saison sorgsam in einer Mappe aufbewahrt. Dem 18-fachen Nationalspieler stieg der Ruhm nie zu Kopf, obwohl er allen Grund gehabt hätte. Schließlich war er einer der Wegbereiter einer sagenhaften Aufholjagd, die der Lask in der Frühjahrsrunde dem staunenden Publikum vorgeführt hatte: Die Elf um den tschechoslowakischen Trainer Frantisek Bufka verlor in den 13 Spielen der Rückrunde keine einzige Partie und kämpfte sich mit neun Siegen und vier Unentschieden vom siebenten Rang an die Tabellenspitze - die Sensation wurde erst in den letzten 90 Minuten der Spielzeit, gleichsam fünf vor zwölf, fixiert.

Die letzten drei Begegnungen stellten jeden Durbridge-Fernsehkrimi in den Schatten, zumindest in den Schlagzeilen der Printmedien: "Viehböck sprang aus Rettungsauto", "Viehböck nach Siegestor ins Spital" titelten die Sportredakteure über den Helden von Dornbach. Der damals 27-jährige Viehböck hatte sich in der 24. Runde der "Staatsliga" beim Auswärtsmatch gegen den Wiener Sportklub in der achten Minute eine klaffende Wunde auf dem Kopf zugezogen. Nach einer Viertelstunde rannte er mit einem Turban aufs Spielfeld zurück. Der ihn behandelnde Vereinsarzt des Sportklubs hatte ihn ausdrücklich ermahnt, keinesfalls zu köpfeln. Doch die Liposinovic-Flanke acht Minuten vor Schluss zog den umwickelten "Schädel aus Stahl" (Alfred Kölbel, "Welt am Montag") magisch an. Viehböck wuchtete per Kopf den Ball zum 1:2 ins Netz, brach nieder und wurde halb tot vom Feld getragen.

"Das war der Ansporn für die ganze Mannschaft", meint der Ex-Internationale schmunzelnd, der heute quicklebendig in seinen Erinnerungen kramt. So recht wollte bei den Athletikern noch zu Monatsbeginn des Juni 1965 niemand an den großen Wurf glauben. Zwei Runden vor Schluss lautete die Reihung Rapid 35 Punkte, Sportklub 33, Lask 32 (damals galt noch die Zwei-Punkte-Regel für den Sieg, das Remis war einen Punkt wert). Während Rapid also ein Unentschieden für den Meisterpokal genügt hätte, musste der Lask vier Punkte holen.

Vor der Schicksalsstunde hatte die Bufka-Truppe, mit Ostblock-Methoden und Konditionstraining gedrillt, nicht nur das Plan-Soll "Sieg gegen den GAK" erfüllt. Der Gewinn des Cups wenige Tage zuvor bedeutete für die Oberösterreicher einen zusätzlichen Motivationsschub. Das "Double" vor Augen, liefen die elf Linzer in ihren Zebra-Dressen am 3. Juli auf der Hohen Warte gegen die Döblinger zur Hochform auf, nachdem sie vom Trainer tags zuvor auf dem Tulbinger Kogel kaserniert worden waren. 1:0 durch Blutsch, 2:0 durch Szabo nach Viehböck-Zuspiel bereits in der ersten Hälfte, Pausenstand in Graz: GAK gegen Rapid 1:0. 84 Minuten lang hätten es die Hütteldorfer mit ihren Stars Hasil, Flögel, Grausam und Skocik vor den Beinen gehabt, den Ausgleich zu schießen - es sollte nicht sein. Der Lask krönte sich just in Wien mit 36 Zählern und einem Punkt Vorsprung vor Rapid zum Champion.

In der deutschen Fachzeitschrift "Kicker" geriet der Chefredakteur aus dem Häuschen: "Das ist eine europäische Fußballsensation", kabelte er nach Linz und schob flugs eine Riesen-Story über die Elf aus der Stahlstadt in sein Blatt. Ob der Höhenflug des Lask zwischen Hammerfest und Palermo ebenso hymnisch besungen wurde, sei dahingestellt. Dennoch: Im Land der Berge und der Fußballäcker wurde 1965 schlicht ein Naturgesetz aus den Angeln gehoben, wonach nur ein Verein aus der Bundeshauptstadt den legitimen Anspruch auf den österreichischen Meister anmelden durfte.

Tatsächlich konnten sich Mitte der Sechzigerjahre von den 14 Top-Vereinen sieben aus Wien auf eine Art Heimatrecht in der obersten Liga berufen: Rapid, Admira-Energie, Sportklub, Vienna (sie belegten im Juli 1965 die Plätze zwei bis fünf der Tabelle), Austria (Platz sieben), WAC und Wacker Wien (Platz 13 und 14). Von 1912 an gerechnet, fanden nur solche Fußballklubs in die Ruhmeshalle der heimischen Meistergilde Einlass, die im Häusermeer zwischen Hütteldorf und Döbling residierten. Das Selbstbewusstsein der Metropole war erstmals angeknackst, erst Jahre später wurde es durch Titelsammler wie Wacker Innsbruck nachhaltig erschüttert.

Selbstverständlich bekamen damals Gäste aus den Bundesländern den Hochmut der Hauptstadtbevölkerung zu spüren - Fußballer waren da eine willkommene Zielscheibe. Als vor besagtem Treffen der Linzer Athletiker mit dem Sportklub der Bus der Lask-Reserve in eine Tramway krachte und Blechschaden und Verletzte hinterließ, quittierte dies ein Wiener Passant mit den Worten: "Wenn die Gschertn in die Stadt kumman . . ." Wenige Wochen später zogen die Gschertn im Triumph von der Hohen Warte westwärts. Der Taumel, der nach dem Schlusspfiff die sportbegeisterten Linzer ergriff, lässt sich nur noch bruchstückhaft rekonstruieren: "Wir hätten nach dem Spiel gleich heimfahren sollen. Da haben in der Nacht 4000 Leute auf der Blumau auf uns gewartet", grämt sich Viehböck. "Aber der Dolfi Blutsch, ein Wiener, hatte die Idee, zu einem Heurigenlokal zu gehen."

Während also in der Höhle des Löwen im Prater der Wein floss, füllten sich ob der Enns die Straßen und Plätze - und das nicht nur in der Landeshauptstadt. Der spätere Linzer Brucknerhaus-Zampano Horst Stadlmayr, damals freier Mitarbeiter der "Oberösterreichischen Nachrichten", notierte am Nachmittag "südländische Szenen" vor den Kaffeehäusern in Mondsee und "Jubelschreie über dem Domplatz". Die offiziellen Berichte über den Massenauflauf in Linz geben nur eine leise Ahnung vom tollsten Tag nach 1945: Heinz Prüller berief sich auf einen Polizeibericht, wonach ab 20 Uhr zwischen 15.000 und 20.000 Menschen die Landstraße verstopften. Als die großen Söhne der Stadt Sonntagnacht gegen halb zwei Uhr eintrafen, hatte sich die Menge zwar merklich reduziert. Dennoch wurde beinahe der Mannschaftsbus umgeworfen, schildert Manfred Payrhuber, damals purer Fan, später langjähriger Sportberichterstatter für den Hörfunk, den Einzug der Gladiatoren. Franz Viehböck: "Die Anhänger sind mit Musikinstrumenten dagestanden und haben uns ins Café Central getragen. Dort ist es bis sieben Uhr früh weitergegangen."

Finanziell brachte den Athletikern die Eroberung des "Doubles" nicht unbedingt ein Vermögen ein. "Ich habe als Vertragsspieler 6000 Schilling zusätzlich für den Meister plus Cup gekriegt", erzählt Viehböck, er war damals im Hauptberuf Angestellter in den "Stickstoff-Werken". Zu den 2500 Schilling Monatsfixum kamen zu jener Zeit noch Prämien für Sieg (1200 Schilling) oder Unentschieden (600 Schilling) - Summen, für die im heutigen Gegenwert manche Bundesliga-Spieler anno 2005 nicht einmal die Fußballschuhe anziehen würden. Der damalige Lask-Präsident Otto Jungbauer, als Juwelier und Geschäftsmann an strenge Kalkulation gewöhnt, wurde zwei Tage vor der letzten Runde mit einem "Sitzstreik" der Mannschaft auf dem Trainingsplatz konfrontiert. Den Wünschen nach einer höheren Prämie gab er erst nach dem Gewinn der Meisterschaft nach.

Der Lorbeer des Sommers von 1965 war schnell verwelkt, ein Erfolgserlebnis im Europacup der Meister blieb den Athletikern in der ersten Runde mit Niederlagen gegen den polnischen Meister Gornik Zabrze verwehrt. In der folgenden Saison landete der Lask in der neuen "Nationalliga" abgeschlagen auf Platz sieben. Admira-Energie hatte sich den Starspieler der Linzer, Paul Kozlicek, geangelt und stand mit diesem Neuerwerb zum Saisonschluss als überlegener Gewinner da.

In den folgenden Jahren verlor das Dream-Team des Jahres 65 mit den klingenden Namen - neben Viehböck Publikumslieblinge und Nationalspieler wie Helmut Köglberger und Gerhard Sturmberger - den Anschluss an die Tabellenspitze. Der Schuldenberg wuchs auf einige Millionen Schilling, in der Öffentlichkeit kursierten Spendenaufrufe: "Rettet den Lask". Das berühmte Kleeblatt - die vier Präsidenten und Unternehmer Ferdinand Richter, Hubert Fein, Ludwig Lindpointner und der legendäre Rudolf Trauner - versuchte mit wechselndem Geschick, den LASK zu sanieren.

Nach dem erstmaligen Abstieg aus der obersten Liga 1978 und einer kurzfristigen Rückkehr hat sich die Anhängerschar schon vor Jahren mit der Zweitklassigkeit des Traditionsvereins abgefunden. Statt Rapid oder Austria heißen die Gegner heute Gratkorn oder Untersiebenbrunn; die Kulisse von 20.000 oder 30.000 Zuschauern zu den Glanzzeiten ist auf ein paar tausend eingefleischte Fans geschmolzen. Unter ihnen sitzt manchmal - den Jungen völlig fremd - Franz Viehböck: "Uns Älteren tut es schon weh, wenn man unnotwendige Niederlagen sieht." Die sieben Überlebenden des Teams von 65 wollten den Jahrestag übrigens nicht abwarten und feierten das Jubiläum schon vor einigen Monaten in Linz-Urfahr. Die dort zelebrierte Wiederkehr der ewig gleichen Bilder und Szenen gipfelt nach den Worten von Viehböck meist in einem Satz, der mit der Gegenwart halbwegs versöhnt: "Kannst dich noch erinnern?"

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Ein sehr emitionaler und leidenschaftlicher Artikel.

Es bringt jetzt auch nichts mehr über die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte zu jammern.

Man sieht aus der Geschichte vom LASK eindeutig, dass Erfolg und Misserfolg sehr nahe beieinander liegen (können). Das notwendige Quäntchen Glück - neben seriöser Arbeit - war natürlich damals auch dabei.

Das Potential und die Ausstrahlung die unser LASK besitzt, wurden leider nicht mehr genützt. Warum oder was falsch gemacht wurde, darauf will ich nicht mehr eingehen.

Pech und unfaire Gegner haben auch ihren Beitrag geleistet.(Sepp Stering)

Wenn ich das Benefizspiel gegen Pasching und das Spiel gegen Ried in Steyr hernehme, dann muss ich leider feststellen, dass man durch die vergangenen mageren Jahre, das Nachwuchsfanpotential komplett den anderen Vereinen überlassen hat.

Mit Vastic ( DANK DEM KONSORTIUM) wurde wieder eine Trendwende eingeleitet.Ich hoffe für längere Zeit und für das was wir uns vom LASK errwarten und vorstellen.

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Ein Bericht, der absolut unter die Haut geht! Aber es bringt nichts mehr, von der glorreichen Vergangenheit zu träumen - es ist an der Zeit, neue, ja bessere Wege zu beschreiten!

Ich gebe dem Meister 1965 absolut recht, dass die letzten Jahre und die damit verbundenen katastrophalen Leistungen einiges an Fanpotenzial gekostet haben. Es ist richtig, dass der LASK einen hervorragenden Zuschauerschnitt hat, dies jedoch nur, wenn die Leistung stimmt.

Ich will jetzt nicht wieder die alte Fan-Debatte hervorkramen, wer nun ein spitzen Fan ist oder nicht, aber die Wahrheit ist, dass die Leute nur kommen, wenn Rapid und Konsorten im Gugloval einlaufen...

Ich kenne da so manchen "LASK-Fan" in meiner Firma, die meinen, wen interessiert schon Gratkorn, Leoben oder Wörgl? Ich schüttle zwar auch den Kopf, aber ganz so unrecht haben sie nicht, die Gloryhunter!

Vor allem die andauernden Skandale, Gerüchte und finanziellen Engpässe des LASK verscheuchen so manchen Fan...

Dennoch bin ich überzeugt, dass es nun aufwärts geht und man mit Fleiß, Ausdauer und dem nötigen Quentchen Glück durchaus an die gute alte Zeit wieder anknüpfen kann. Die Bildung des Konsortiums war ein weiser Zug, denn nun ist der Verein erstmals nicht nur von einer Person abhängig. Rieger- und auch Jungbauerzeiten wünscht sich keiner mehr, umso besser, dass nun die Wirtschaft wieder vermehrt zum LASK findet!

Auf das wir wieder neue Liposinovics, Blutschs und Viehböcks hervorbringen, um dann wieder die alten Lieder auf der 90 Jahre VHS-Kassette anstimmen zu dürfen: "LASK vor, noch ein Tor!!" :winke:

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