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rapidlerfreak

Der irische Fussball!

5 Beiträge in diesem Thema

_Irland_Irlands Fussballgeschichte _Irland_


1921 nahm die sich schon seit längerem abzeichnende Spaltung Irlands konkrete Formen an. Im Juni bot die britische Regierung den sechs Counties im Norden sowie den sechsundzwanzig Counties im Süden voneinander unabhängige Dominionsstatuten an, was vom Norden aktzeptiert, vom Süden jedoch abgelehnt wurde. Sechs Monate später proklamierten die südirischen Counties den Irish Free State (Freistaat Irland), woraufhin sich der Norden der britischen Krone anschloss. Analog zur politischen Spaltung kam es auch zu einer fußballerischen Trennung, die im September 1921 mit Gründung der (südirischen) Football Association of Ireland (FAI) besiegelt wurde.
Die FAI – Gründung war allerdings keineswegs Antwort auf die politische Entwicklung, sondern vielmehr absehbares Resultat einer höchst eigentümlichen Politik der bis dato gesamtirischen Irish Football Association (IFA), die sich in der Vergangenheit deutlich mehr für die Belange der Nordklubs eingesetzt und die Südklubs damit ziemlich verärgert hatte. So war beispielsweise die irische Nationalelf nahezu ausschließlich von Nordiren bzw. in England kickenden Legionären gestellt worden, und im Pokalwettbewerb hatten südirische Klubs regelmäßig auf ihr Heimrecht verzichten und statt dessen nach Belfast fahren müssen, weil die IFA Furcht vor Ausschreitungen hatte.
„Soccer“, wie Fußball in Irland in Abgrenzung zum als „Football“ bezeichneten Gaelic Football genannt wird, hat in den südlichen Provinzen eine schwierige Tradition und fristete lange Zeit das Dasein einer Randsportart. Das lag nicht zuletzt an seiner Herkunft, denn in katholischen Kreisen Irlands stand (und steht) man englischen Importen eher skeptisch gegenüber und schwor stattdessen auf sein keltisches Erbe. Die für die irischen Traditionsspiele Gaelic Football und Hurling zuständige Gaelic Athletic Association (GAA) schuf sogar eine enge Verbindung zwischen traditionellem Nationalismus und organisiertem Sport, indem sie ihren Mitgliedern verbot, „fremde Spiele“ auszuüben. Gemeint waren vornehmlich die englischen Spiele Soccer, Rugby, Cricket und Hockey. Dieses Verbot behinderte die Ausbreitung des Fußballspiels im Südteil Irlands, da irisch – katholische Fußballenthusiasten das Spiel nicht ausüben konnten, ohne sich dem Vorwurf des Verrates auszusetzen. Fußball blieb demzufolge ein von der protestantischen Minderheit Südirlands betriebenes Vergnügen – was es im übrigen von Anfang an gewesen war.
Zur Vorgeschichte: Nachdem es 1878 in Belfast zum ersten Fußballspiel auf irischem Boden gekommen und zwei Jahre später die gesamtirische Irish Football Association gegründet worden war, dauerte es bis November 1883, ehe auch im Süden erstmals Assoziationsfußball gespielt wurde. Seinerzeit trafen im College Park des Trinity Colleges zu Dublin die kurz zuvor gegründeten Klubs Dublin Association und Dublin University aufeinander, deren Mitglieder aus dem akademischen bzw. anglo – irischen Milieu Dublins stammten.
Die Ausbreitung des Spiels ging nur schleppend voran. Zunächst wurde lediglich in Dublin sowie in Garnisonsstädten gekickt – und zwar vornehmlich von Protestanten. Auch die ersten Vereine – Athlone Town (1887 gegründet), Bohemians Dublin (1890), Shelbourne AFC (1895) und Dublin University Club (1895) – waren protestantisch geprägte Klubs. Erst 1899 wurde mit den Shamrock – Rovers, die wie Celtic Glasgow in grün – weiß – gestreiften Trikots („hoops“) spielten, ein katholisch dominierter Verein gegründet.
Bezüglich eines organisierten Spielbetriebes sah es zunächst ebenfalls mau aus. Der im Oktober 1892 eingeführte Leinster Senior Cup – „Leinster“ bezeichnet die Counties um Dublin – war lange Zeit der einzige Südwettbewerb. Immerhin wurden nach der Jahrhundertwende zwei Dubliner Klubs in die ehemalige „Belfast and District League“ aufgenommen. Sportlich machten weder Bohemians Dublin (1902 aufgenommen) noch Shelbourne AFC (1904) Schlagzeilen. Herausragender Erfolg war die Vizemeisterschaft Shelbournes in der Spielzeit 1906/1907. Bohemians gewann zudem 1908 den IFA Cup, selbiges gelang Shelbourne 1906 sowie 1911.
Nachdem sich die Dubliner Teams nach Beginn des 1. Weltkriegs aus dem gesamtirischen Spielbetrieb hatten zurückziehen müssen, weil die Irish League für die Dauer des Krieges zur Wiederaufnahme der gesamtirischen Liga, doch die Saison 1919/1920 war vom ersten Tag an von gewalttätigen sektiererischen Auseinandersetzungen überschattet, die Bohemians und Shelbourne sowie den von Katholiken unterstützten Belfaster Klub Celtic zum Saisonende zum Rückzug aus der Irish League veranlassten.
Dass der zunächst nur als „vorläufig“ geplanter Rückzug im Laufe des Jahres 1921 endgültig wurde, lag vor allem an dem haarsträubenden pro – nordirischen Verhalten der IFA. Der berühmte „Tropfen“, der das Faß zum Überlaufen brachte, war ein Vorgang aus dem Pokalwettbewerb der Saison 1919/20: Nachdem Shelbourne im Halbfinale ein torloses Unentschieden beim nordirischen Vertreter Glenavon Lurgan erreicht hatte, setzte die IFA entgegen ihren eigenen Statuten das Wiederholungsspiel nicht in Dublin, sondern in Belfast an. Shelbourne zog sich darauf hin erbost aus dem Pokalwettbewerb zurück und leitete wenig später mit einigen anderen – vornehmlich Dubliner – Klubs die Gründung der Football Association of Ireland (FAI) ein. Die FAI stellte umgehend die Weichen für einen eigenständigen südirischen Spielbetrieb. Noch 1921 wurden sowohl ein Pokalwettbewerb (FAI Cup) als auch eine Liga (Football League) ins Leben gerufen, darüber hinaus wurde das umstrittene protestantische Sonntagsspielverbot aufgehoben. Der fußballerische Unabhängigkeitsprozess nahm rasch konkrete Formen an. 1923 wurde die FAI in die FIFA aufgenommen und schon 1924 konnte sie mit einer Auswahlelf an den Olympischen Spielen in Paris teilnehmen. Das dort ausgetragene erste Länderspiel in der Geschichte der Republik Irland – offizielle Bezeichnung bis 1949: „Irish Free State“ – endete mit einem 1:0 – Sieg über Bulgarien. Im selben Jahr einigten sich südirische FAI und nordirische IFA, ihre Einflussgebiete abzustecken. Fortan war die FAI ausschließlich für die 26 südlichen Counties zuständig, während die IFA die sechs nördlichen Counties abdeckte.
Auslöser der Vereinbarung war der Belfaster Klub Alton United, der 1923 das Finale um den FAI – Cup gewonnen und damit den südirischen Pokal nach Nordirland „entführt“ hatte – zumindest theoretisch, denn die Trophäe durfte nicht über die Grenze gehen, und Altons Spieler bekamen „nur“ Medaillen. Dass der Belfaster Klub überhaupt am südirischen Wettbewerb hatte teilnehmen können, war ebenfalls der politischen Situation zu „verdanken“. Alton war Mitglied der Belfaster Falls an District League, der ausschließlich katholische Teams angehörten – und die waren 1921 aus Protest gegen die IFA – Politik allesamt der FAI beigetreten. Altons sportlicher Erfolg war übrigens dem Mitwirken zahlreicher Akteure von Belfast Celtic zu verdanken, die dem Klub beigetreten waren, weil Celtic wegen der Unruhen seinerzeit nicht am Spielbetrieb der Irish League teilnehmen konnte…..
Grundsätzlich muss festgestellt werden, dass Irlands Fußball bis weit nach dem 2. Weltkrieg ein Schattendasein fristete. Das Zuschauerinteresse war – nicht zuletzt wegen regelmäßiger Diffamierung des „foreign game“ durch sektiererische Nationalisten – schwach, und sportliche Erfolge waren rar. Zudem wurde Fußball weiterhin vornehmlich von der protestantischen Minderheit ausgeübt. Einziger erwähnenswerter „katholischer“ Klub waren die Shamrock Rovers, die folgerichtig zum „Liebling“ der katholischen Fußballfans wurden und bei ihren Europacupauftritten in den sechziger Jahren für südirische Verhältnisse beachtliche Zuschauerzahlen anlockten. Ungeachtet der ungünstigen Voraussetzungen und Widerstände entwickelte sich Soccer aber analog zum europäischen Trend auch in Irland peu à peu zum Spiel der Arbeiterklasse – und zwar der katholischen. Insbesondere in den städtischen Ballungsräumen genoss „Soccer“ bald ebenso große - wenn nicht größere – Popularität wie Gaelic Football oder Hurling.
In sportlicher Hinsicht stand der südirische Fußball bis Mitte der achtziger Jahre deutlich im Schatten der nordirischen. An eine EM oder gar WM – Teilnahme war nicht zu denken, und in den europäischen Vereinswettbewerben kam das Aus in der Regel bereits in der ersten Runde. Darüber hinaus gelang es nicht, Fußball einen „nationalen“ Charakter zu verpassen, was neben den erwähnten Behinderungen u.a. dem fehlenden Nationalstadion zuzuschreiben war. Die FAI war quasi „heimatlos“. Nachdem von 1929 bis 1971 die meisten Länderspiele in Bohemians maroden Dalymount Park ausgetragen worden war, zog sie 1971 zur „Untermiete“ bei der Irish Rugby Football Union ein und spielte fortan in deren Arena Lansdowne Road. Eines hoffentlich nicht allzufernen Tages will die FAI in den Dalymount Park zurückkehren, den sie 1989 erwarb und damit vor dem Abriss bewahrte. Aus der inmitten eines Wohngebietes liegenden Traditionsstätte soll nun ein schmucker 25.000 – Plätze – all – seater werden – wann steht jedoch in den Sternen. Die große sportliche Wende im irischen Fußball kam mit Jack Charlton – ausgerechnet einem Engländer, noch dazu einem Protestanten. Im Februar 1986 übernahm Charlton die Nationalelf und wurde ihr erster „full – time – Manager“ – und ihr bislang erfolgreichster. 1988 erreichte Irland mit der EM in Deutschland erstmals ein international renommiertes Tunier, wo man zur grenzenlosen Freude der zahlreichen mitgereisten Fans den Erzrivalen England aus dem Rennen werfen konnte. 1990 und 1994 reisten die Boys in Green zur WM nach Italien bzw. in die USA, wo sie auf und neben dem Spielfeld für viele Positivschlagzeilen sorgten.
Charltons bevorzugte Taktik – traditionelles „kick and rush“ – sowie seine großzügige Auslegung der „parential rule“ – wer einen in Irland geborenen Großelternteil nachweisen kann, ist für die FAI – Auswahl spielberechtigt – legten die Grundlagen für die Erfolge, mit denen die südirische Auswahl erstmals an ihrem nordirischen Kontrahenten vorbeizog. Angesichts des jahrzehntelangen Exodus irischer Fußballer war es kaum überraschend, dass es sich bei den Mitgliedern der Erfolgself weitestgehend um Legionäre handelte. Anfangs noch als „Söldnertruppe“ verschrien, spielten sich Aldridge, McCarthy, Houghton und Co. rasch in die Herzen der Fans.
Das „Erwachen“ der irischen Nationalelf führte zu einer deutlichen Belebung des nationalen Spielbetriebes, der mit einer spürbaren Entspannung der inneririschen Konflikte zusammenfiel. Die GAA beispielsweise hatte bereits 1971 den Anti – Fußballpasus aus ihrere Satzung gestrichen, und mit Pat Bonner und Kevin Moran gehörten sogar ehemalige GAA – Aktivisten zum Stamm der erfolgreichen EM – Elf. Fußball konnte nun selbst in der GAA – Hochburg Provinz Munster im Süden (Erstligastädte: Cork, Waterford und Limerick) Fuß fassen. Auch die strikte Trennung zwischen Gaelic Football und Soccer Fans ist inzwischen verwischt. Häufig sieht man beim Endspiel um die Gaelic Football Meisterschaft Fans ins Soccer – Shirts, ebenso wie Gaelic Football – Fans bei wichtigen Soccer – Spielen ihren Obolus zahlen. Katalysator bei diesem „Normalisierungsprozess“ war zweifelsohne der Erfolg der Auswahlelf, der enorm dazu beigetragen hat, dass sich eine Art fußballerisches Nationalbewusstsein herausbilden konnte und dadurch die Vorbehalte gegenüber dem Fußball wegen seiner englischen Herkunft deutlich geringer wurden.
National blieb Irlands Fußball fest in der Hand der Ostküstenklubs, die seit den zwanziger Jahren Meisterschaft und Pokal dominieren. Grund ist der dort erheblich höhere Grad an Verstädterung und Industrialisierung, wodurch eine fußballfördernde Bevölkerungsstruktur entstanden ist. Allenfalls die Nordklubs aus Donegal und Sligo sowie der seit 1986 in der Republik Irland spielende nordirische Klub Derry City vermochten sporadisch Akzente zu setzten.
Der Leistungsunterschied der mit in England spielenden Profis gespickten Auswahlelf und den von „normalbegabten“ Fußballern geprägten Ligaspielbetrieb ist immens. Während die Landesauswahl auch nach Charltons Rücktritt im Dezember 1995 unter Nachfolger McCarthy trotz einer zwischenzeitlichen Durststrecke zu den beachtenswerten Teams Europas zählt, hat sich die internationale Konkurrenzfähigkeit irischer Vereine kaum verbessert. Noch immer kommt das Europapokal – Aus in der Regel in Runde 1, und der Vereinsfußball bleibt Irlands Sorgenkind. Die zu ändern, dürfte schwierig zu sein. Nur eine umfangreiche Professionalisierung könnte das Niveau dauerhaft anheben und es den Vereinen vor allem ermöglichen, ihre Leistungsträger zu halten. Doch davon ist weit und breit nichts zu sehen. Seit Jahren gibt es beinahe jährlich einen neuen Landesmeister (was der Ausgeglichenheit der Teams entspricht, der Eliteförderung jedoch abträglich ist), die Zuschauerzahlen belaufen sich zumeist auf unter 2.000 und die meisten Stadien sind marode Überbleibsel besserer Tage.
Immerhin hat die fatale Konkurrenz durch Liveübertragungen englischer Premier – League Spiele nach Irland inzwischen entschärft werden können, indem die FAI dem britischen Fußballvermarkter BSkyB einen 1,4 Mio. Irische Pfund schweren Deal abrang, der es den irischen Klubs ermöglichte, Flutlichtanlagen aufzustellen und den englischen Premier League – Spielen damit zeitlich auszuweichen. Seither finden die meisten Spiele der irischen Premier League am Freitag –und Samstagabend statt.

--- ENDE ---

Die Geschichten von _England_ , _Tschechien_ , _Schweden_ und _Griechenland_ findet ihr hier bearbeitet von rapidlerfreak

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brilliant wie die andere texte...

fand das damals in irland sehr interessant, dass man auf den straszen zwar unzaehlige kinder in man yoo-, liverpool- oder celtic-dressen sah, aber eigentlich niemanden mit einem dress der einheimischen klubs sah...obwohl doch auch fankjlubs haben, die shamrock rovers sogar einem mit dem fuer die britische fanszene paradoxen namen ultras...

mittlerweile will das nationalteam uebrigens nicht mehr in den dalymount park zurueckkehren, sondern man plant ein 70.000 zuschauer fassendes 'stadium of ireland' fuer alle sportarten am rand von dublin...ich weisz allerdings nicht, ob das jetzt, nachdem man nicht den zuschlag fuer die em2008 erhalten hat, noch aktuell ist...

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Naja, aufgrund der Geschichte ist irgendwie klar, dass Celtic DER Club der (katholischen) Iren ist.

es wird immer so dargestellt, aber ich hab eigentlich das gefuehl, dass es zumindest unter den jugendlichen mittlerweile mehr liverpool- und vor allem manchester-fans gibt. auch die berichterstattung in den medien is total auf die epl ausgerichtet...

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Super Bericht!!!

Zeigt die Entwicklung des Fußballs in Irland, vor 100 Jahren haben viele Soccer gar nicht gekannt, jetzt ist, zumindest die Nationalelf, schon sehr wichtig und sind immer viele Fans dabei.

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