Tom032

Polster Gespräch/Interview im Standard

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Standard: Stellen Sie sich vor, es ist Ende 2007, Ihr Vertrag ist eben ausgelaufen. In welchem Zustand befindet sich die Austria, was hat sie erreicht?

Polster: 2007, das ist weit weg. Es gibt Dinge, die man nicht planen kann. Wir sollten in den drei Jahren dreimal Meister geworden sein und ein ernst zu nehmendes Mitglied im europäischen Fußball sein.

STANDARD: Kann man das präzisieren? Echt ernst genommen werden zum Beispiel Real Madrid oder Chelsea.

Polster: Um die Champions League zu gewinnen, braucht man natürlich andere finanzielle Mittel. Aber regelmäßig dabei zu sein und sich nicht zu blamieren, das würde mir Spaß machen. Wir müssen zunächst den ersten Schritt tun, müssen national die klare Nummer eins werden.

STANDARD: Mit Verlaub. Um den Fußball in Österreich zu dominieren, bedarf es nicht unbedingt eines Generalmanagers Polster.

Polster: Einspruch. Was die Austria in den vergangenen zehn Jahren erreicht hat, war einfach zu wenig.

STANDARD: Als Frank Stronach begann, in die Austria zu investieren, nannte er aber schon den Gewinn der Champions League als Ziel.

Polster: Das ist doch schön, auch wenn man Ziele nicht erreicht, man muss sie sich zumindest vornehmen.

STANDARD: Also ist das ganze Projekt eher ein Hirngespinst?

Polster: Manchester United hat ein Budget von 400 Millionen Euro oder so. Eigentlich will ich es gar nicht wissen. Wenn wir uns damit vergleichen, ist es doch klar, dass wir à la longue nicht mithalten können. Die Austria muss wieder ihre Identität kriegen, sie muss einen Geist bekommen.

STANDARD: Der Austria ist ein Imageproblem nicht abzusprechen. Sie gilt als zerstritten, instabil, quasi monatlich wurden Trainer gefeuert. Was ist das Typische am Klub?

Polster: Bei der Austria hat es immer viele Strömungen gegeben. Dem Joschi Walter ist es einst gelungen, all diese Gruppierungen unter einen Hut zu bringen. Nach seinem Tod hat das niemand mehr geschafft. Ich will Leute wie Mauhart oder Böhm, also Personen, die zur Austria gehörten, treffen und sie zusammenbringen. Der Kreis soll größer und geschlossen werden. Die Leute sollen Spaß daran haben, die Mannschaft spielen zu sehen. In einem neuen Stadion, damit wir für die Wirtschaft interessant werden.

STANDARD: Noch einmal zu den sportlichen Perspektiven: Lässt sich Erfolg kaufen? Bei Chelsea schaut es fast danach aus.

Polster: Das sind andere Dimensionen. Unser Weg muss ein anderer sein. Wir werden keine Ablösesummen mehr zahlen, wir werden versuchen, ablösefreie Spieler zu kriegen, denen wir sportlich weiterhelfen. Die Austria hat jetzt eine gute Mannschaft, die man punktuell verstärken muss. Wir müssen schlauer sein als die anderen. Und wir müssen so weit interessant sein, dass auch gute Spieler zu uns kommen, damit sie via Austria den Sprung zu einem absoluten europäischen Spitzenverein schaffen können. Ich denke da an Jungstars, die zum Beispiel bei Real nicht drankommen, denen wollen wir eine Perspektive geben.

STANDARD: Reichen Ihre Kontakte aus, um begabte Spieler aus Spanien zu bekommen?

Polster: Sicher, die Topvereine sind bei uns in Gladbach ein- und ausgegangen. Und der Name Polster hat überall ein guten Klang, in Italien, in Spanien, in Deutschland.

STANDARD: Sie haben für die Austria einen Job bei Mönchengladbach aufgegeben. Gerüchteweise soll Ihnen Stronach 600.000 Euro pro Jahr zahlen, da kann man nicht ablehnen.

Polster: Das Geld war nicht ausschlaggebend. Die philosophische Frage war, ob ich meine Heimat Köln, in der meine Familie seit elf Jahren zu Hause ist, jetzt verlasse. Ich wollte nie mit 65 in irgendeinem Aufsichtsrat hocken. Mein Ehrgeiz zielt darauf, etwas zu bewegen. Bei der Austria bekomme ich die Gelegenheit.

STANDARD: Trainer zu werden war nie ein Thema?

Polster: Nein. Übernimmst du den Trainerposten, heißt das, dauernd umziehen zu müssen. Du bist ein Heimatloser, das ist der Familie nicht zuzumuten. Du wirst mindestens dreimal entlassen. Wackelt ein Kollege, zeigst du dich auf der Tribüne. Ich wäre ja nicht der Erste, der sich einbildet, ein guter Trainer zu sein. Aber Teamchef ist sicher kein uninteressanter Job.

STANDARD: Werden ehemalige Größen wie etwa Hans Krankl, Herbert Prohaska oder auch Sie nicht ein wenig überschätzt? Österreichs Fußball floriert ja nicht unbedingt.

Polster: Was ein Prohaska, Krankl, Jara, Schachner oder ein Polster alles gesehen haben, das ist Goldes wert. Wenn wir bereit sind, 15 Stunden am Tag zu arbeiten, dann gibt es keine bessere Mischung.

STANDARD: Trotzdem. Was befähigt Sie zum Generalmanager? Benötigt man für so einen Job nicht eine Ausbildung?

Polster: Ich habe schon so viele Sachen in mich aufgesaugt, habe so viel gehört und gesehen, habe immer über meinen Deckelrand geblickt. Ich kenne mich aus, zerreiße mich förmlich. Und ich bin bereit, als Manager unpopuläre, vielleicht sogar ungerechte Entscheidungen zu treffen.

STANDARD: Fürchten Sie sich davor, mitunter ein Schwein sein zu müssen?

Polster: Nein. Im Prinzip werden bei mir immer der Mensch und der Respekt vor diesem Menschen im Mittelpunkt stehen. Aber ich habe die Vorgabe, dass ich die Austria weiterbringen muss. Also muss ich darauf achten, wer hilft mir auf dem Weg, wer nicht. Sollte mich einer behindern, muss ich Konsequenzen ziehen.

STANDARD: Das heißt, man wird einen anderen Polster sehen. Nicht den lustigen Burschen.

Polster: Ja. Ich werde mich natürlich nicht von heute auf morgen ändern. Mir hat ja niemand zugetraut, ernsthaft arbeiten zu können. Nicht als Spieler und auch nicht danach. Aber bei Gladbach wurde mein Vertrag zweimal verlängert, das heißt, ich habe dort gute Arbeit geleistet.

STANDARD: Ihnen eilt der Ruf voraus, den Weg des geringsten Widerstands gegangen zu sein. Sie waren im Ausland zwar ein Star, aber nie bei wirklich guten Vereinen. War das Taktik?

Polster: Um Gottes Willen, ich hätte gerne einmal bei Real Madrid oder Barcelona gespielt! Aber ich habe gemerkt, dass da ein gewisses Glück dazugehört. Andere waren vielleicht gescheiter als ich.

STANDARD: Besteht nicht die Gefahr, dass Sie bei der Austria als reiner Sympathieträger benutzt werden?

Polster: Natürlich kauft man mit dem Polster einen Sympathieträger. Ich werde mich auch um die Fans kümmern. Denn ohne Fans gibt es keinen Fußball. Ich werde für alle Probleme ein offenes Ohr haben, nur in einer Sache darf man sich nicht täuschen: Es werden keine Fanklubs und keine Gruppierungen Politik bei der Austria machen. Für die Politik werden wir bezahlt.

STANDARD: Ist Stronach Ihr einziger Vorgesetzter?

Polster: Ja. Aber es ist doch so, dass jeder ein gutes Team um sich braucht. Das wird konzeptionell und strukturiert ablaufen. Es wird nicht so sein, dass wir wegen jedem Euro zum Frank hingehen.

STANDARD: Wie viele ÖFB-Teamspieler wird die Austria für die EM 2008 stellen?

Polster: Keine Ahnung. Bei uns wird keiner spielen, nur weil er Österreicher ist. Bei uns werden die eingesetzt, die Leistung bringen, die sich durchbeißen. Man kann nicht immer bei Schwierigkeiten davonrennen. Jetzt wurde der Pole Sebastian Mila verpflichtet. Damit hatte ich zwar noch nichts zu tun, aber er wird uns weiterhelfen. Wir stehen unter Druck, und wer den Druck nicht aushält, der kann bei der Austria nicht arbeiten.

STANDARD: Glauben Sie, dass Sie Ihren Vertrag voll erfüllen oder erfüllen dürfen?

Polster: Es wäre naiv zu glauben, dass bei mir ein Rauswurf ausgeschlossen ist. Aber ich bin frohen Mutes.

Quelle: derstandard.at

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STANDARD: Trainer zu werden war nie ein Thema?

Polster: Nein. Übernimmst du den Trainerposten, heißt das, dauernd umziehen zu müssen. Du bist ein Heimatloser, das ist der Familie nicht zuzumuten. Du wirst mindestens dreimal entlassen. Wackelt ein Kollege, zeigst du dich auf der Tribüne. Ich wäre ja nicht der Erste, der sich einbildet, ein guter Trainer zu sein. Aber Teamchef ist sicher kein uninteressanter Job.

Eine richtig subtile Spitze auf den Hansi-Buam. Gfallt ma :D

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STANDARD: Werden ehemalige Größen wie etwa Hans Krankl, Herbert Prohaska oder auch Sie nicht ein wenig überschätzt? Österreichs Fußball floriert ja nicht unbedingt.

Polster: Was ein Prohaska, Krankl, Jara, Schachner oder ein Polster alles gesehen haben, das ist Goldes wert. Wenn wir bereit sind, 15 Stunden am Tag zu arbeiten, dann gibt es keine bessere Mischung.

dass derartige aussagen unwidersprochen stehenbleiben, ist in meinen augen schon eines der grunduebel desoesterreichischen fuszballs. dementsprechend haben dann die einstmals besten kicker, die moeglichkeit jeden job im zusammenhang mit dem fuszball zu bekommen, ohne irgendwie zeigen zu muessen, dass sie dafuer spezifisch geeignet sind. (zb teamchef oder chefanalytiker)

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@rigobert: Da muss ich Dir recht geben! Die Postenbesetzung erfolgt oftmals viel zu unkritisch, so nach dem Motto "Der war ein guter Kicker, also ist er auch ein guter Trainer". Und andere fähige Leute werden nie eine Chance bekommen, weil sie einfach keine "Österreichklasse"-Spieler waren. Ist aber jetzt nicht nur in Österreich so. Erinnert mich aber irgendwie an krankhaftes Postenverschaffen für zugegebenermaßen verdiente Ex-Kicker! Aber das sollte Aufgabe des Sozialamtes und nicht eines Bundesligavereines sein. ;)

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dass derartige aussagen unwidersprochen stehenbleiben, ist in meinen augen schon eines der grunduebel desoesterreichischen fuszballs. dementsprechend haben dann die einstmals besten kicker, die moeglichkeit jeden job im zusammenhang mit dem fuszball zu bekommen, ohne irgendwie zeigen zu muessen, dass sie dafuer spezifisch geeignet sind. (zb teamchef oder chefanalytiker)

Ich glaub, der gute Mann nimmt sich prinzipiell etwas zu ernst...

Hochnäsiger könnte er kaum sein, das Interview klingt so, als warte die ganze Welt nur auf ihn und seine Führungskompetenz.

Widersprüchlich:

"Wir müssen schlauer sein als die anderen."

Kurz darauf...

"Andere waren vielleicht gescheiter als ich." :laugh::laugh:

Lächerlich:

"Und ich bin bereit, als Manager unpopuläre, vielleicht sogar ungerechte Entscheidungen zu treffen." :glubsch:

Und dann die ganze Polemik um den Wohnortswechsel... Was glaubt er, was er machen wird, wenn ihn der Strohsack entsorgt? :betrunken:

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Widersprüchlich:

"Wir müssen schlauer sein als die anderen."

Kurz darauf...

"Andere waren vielleicht gescheiter als ich." :laugh::laugh:

Was ist daran widersprüchlich? :wos?:

Im ersten Satz steht wir (also die Austria als Verein) und im zweiten Satz steht ich (also der ehemalige Spieler Toni Polster)... :winke:

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Was mich jetzt interessieren würde (ohne irgendwelche boshaften Hintergedanken):

Was denken die Austria-Fans eigentlich darüber, dass dem Toni schon nach einem Monat die Grenzen seiner Kompetenzen so klar aufgezeigt werden? Und was glaubt ihr, denkt sich der Toni dazu, dass er gleich bei der erstbesten Gelegenheit vom Stronach overruled wird? (Stichwort Linz-Transfer)

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Tja, wer zahlt, schafft an.

wieder mal eine entscheidung, die von hervorragender oeffentlichkeitsarbeit begleitet wurde. (remember: "der abstiegskampf wird damit beeinflusst", weil die admira ja um cl - plaetze spielt...)

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glaub es wird eher so gewsen sein, dass der stronach dem kartnig schon vor ein paar monaten zugesagt hat.

polster hat davon logischerweise nichts gewusst, da er noch nicht hier war und beim gespräch mit stronach, hat s. es dem toni zum erzählen vergessen.

=> stronach steht zu seinem wort und will dem dicken hannes nicht entäuschen und steht zu seinem wort.

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wieder mal eine entscheidung, die von hervorragender oeffentlichkeitsarbeit begleitet wurde. (remember: "der abstiegskampf wird damit beeinflusst", weil die admira ja um cl - plaetze spielt...)

Was meinst jetzt damit?

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wieder mal eine entscheidung, die von hervorragender oeffentlichkeitsarbeit begleitet wurde.

Durchaus, durchaus.

(remember: "der abstiegskampf wird damit beeinflusst", weil die admira ja um cl - plaetze spielt...)

Verstehe den möglichen Sinn des Satzes nicht.

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