Zitat
Nordamerikas Eishockey hat seine National Hockey League (NHL), und seit der Saison 2008/09 ist die höchste russische Liga in der Kontinental Hockey League (KHL) mit Kasachstan, Lettland und Weißrussland vereint. Auch in Zentraleuropa gibt es schon lange Gerüchte über eine kontinentale Eliteliga. Das heuer aufgewertete internationale Vorbereitungsturnier European Trophy mit seinem Finale, dem Red Bulls Salute, stellt jedenfalls die Weichen für eine mögliche Europaliga. „Wir möchten Schritt für Schritt etwas ganz Spezielles für Europa aufbauen“, umriss Salzburg-Trainer Pierre Page die große Vision.
Anzeichen für Eliteliga verdichten sich
Die NHL-Finalserie zwischen den Vancouver Canucks und Boston Bruins geht in die entscheidende Phase. Auch Europa könnte in Zukunft seine eigene Eliteliga nach NHL-Vorbild haben. Und das heuer zum zweiten Mal stattfindende Vorbereitungsturnier European Trophy mit seinem Finale, dem Red Bulls Salute, ebnet den Weg dazu.
Neben einer Aufstockung auf 24 Teams, die in vier Divisionen eingeteilt sind, gibt es eine weitere Neuerung. Das Finalturnier findet im Dezember und damit erstmals während der Saison statt. Das Gerücht über eine Europaliga gibt es schon lange. Ende März 2010 berichtete etwa die „Bild am Sonntag“ von einem „Sensationsplan“. Europas Eishockey stehe „vor einer Revolution“. Die deutsche Zeitung habe erfahren, dass ab der Saison 2012/13 30 bis 35 europäische Topclubs in einer eigenen Liga spielen sollen.
Das vom ehemaligen schwedischen NHL-Star Hakan Loob initiierte Projekt laufe unter dem Namen „Big Bang“ und solle als Urknall eine neue Eishockey-Epoche einleiten. Die geplante Europaliga hatte in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) rege Diskussionen ausgelöst. „Ich mache mir keine Sorgen, denn das meiste davon ist Wunschdenken“, wurde DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke damals im Magazin „Focus“ zitiert. Die Zeit sei noch nicht reif „für eine vernünftige, überregionale Liga“. Durch die erweiterte European Trophy verdichten sich allerdings die Anzeichen für die Einführung einer europäischen Eliteliga.
„Schritt für Schritt etwas Spezielles aufbauen“
„Wir möchten Schritt für Schritt etwas ganz Spezielles für Europa aufbauen“, sagte etwa Salzburg-Trainer Pierre Page. Im Moment sei es doch so, dass die besten Spieler aus Europa in der NHL spielen. „Aber wäre es nicht schön, wenn solche Spieler in einer anderen europäischen Liga bleiben würden?“, umriss Page die große Vision. Derzeit allerdings steigt das Turnier noch als Vorbereitung.
Im Zuge der Erweiterung der European Trophy wird bei einigen europäischen Clubs über eine etwaige Europaliga nachgedacht. „Bullen“-Headcoach Page ist einer der vehementesten Befürworter dieser Idee, wie ORF.at auf Nachfrage vom österreichischen Meister Salzburg bestätigt bekam. Es gebe aber noch keine konkreten Anzeichen dafür, dass das schon in Kürze umgesetzt werde.
Interessen der Vereine gehen noch auseinander
Das Saisonvorbereitungsturnier ist zwar ein großer Schritt in Richtung europäisches Clubeishockey, zur möglichen Installation einer „richtigen“ Liga müssen allerdings noch viele offene Fragen und Aspekte geklärt werden. Etwa ob so eine Liga parallel zu den nationalen Meisterschaften oder komplett losgelöst davon gespielt werden könnte. Unter anderem gehen in diesem Punkt auch die Interessen der betreffenden Vereine auseinander.
Nach dem neuerlichen Scheitern das Weltverbandes (IIHF) in der Saison 2011/12 die Champions Hockey League (CHL) wieder zu reaktivieren schloss zudem DEL-Geschäftsführer Tripcke nicht mehr aus, dass Europas Ligen auf eigene Faust einen kontinentalen Wettbewerb auf die Beine stellen könnten. „Wir müssen gucken, dass wir in der nächsten Zeit - mit oder ohne IIHF - das Thema wieder anschieben“, sagte Tripcke heuer im Februar.
Die auch Eishockey-Champions-League genannte CHL ist in der Saison 2008/09 zum ersten und einzigen Mal ausgetragen worden, Sieger waren die ZSC Lions Zürich. Die zweite Auflage wurde Aufgrund ausbleibender Sponsorengelder durch den Absprung des Investors aus wirtschaftlichen Gründen kurzfristig abgesagt. Seither gab es immer wieder Bestrebung, die CHL wiedereinzuführen. Die IIHF-Pläne fanden allerdings keine Zustimmung bei den Clubs.
Europas Profiligen organisieren sich
Europa könnte jetzt auf eigene Faust tätig werden. Die im Oktober 2008 gegründete Vereinigung der stärksten mittel- und nordeuropäischen Eishockey-Profiligen namens Hockey Europe setzt sich unter anderem zum Ziel, ihre Mitglieder „bei der Vermarktung und Optimierung der professionellen Eishockeywettbewerbe in Europa in allen Aspekten zu unterstützen“.
Gründungsmitglieder waren Finnland, Slowakei, Schweden, Tschechien, Deutschland und die Schweiz (als assoziiertes Mitglied). Österreichs Erste Bank Eishockey Liga (EBEL) trat im Mai 2010 als siebentes Vollmitglied der Vereinigung mit Sitz in Köln bei. Seit Dezember 2010 ist EBEL-Ligamanager Christian Feichtinger der ehrenamtliche Präsident und Geschäftsführer von Hockey Europe.
Fusion von Red Bulls Salute und Nordic Trophy
Deren Verbände (ohne die Schweiz) stellen auch die Teilnehmer am heuer zum zweiten Mal stattfindenden Vorbereitungsturnier European Trophy, das 2010 aus dem Zusammenschluss des Red Bulls Salute (ist jetzt der Name für das Finalturnier) und der Nordic Trophy (Clubs aus Schweden und Finnland) entstanden ist. Im Vorjahr nahmen noch 18 Teams teil, nun sind es bereits 24. Österreich ist mit Salzburg und den Vienna Capitals dabei.
Von 11. August bis 4. September 2011 wird in vier Divisionen mit je sechs Mannschaften um den Aufstieg gespielt. Für das Finale von 16. bis 18. Dezember in Salzburg und Wien qualifizieren sich sieben Teams. Österreichs Meister Salzburg ist unabhängig von seiner Platzierung in der European Trophy als Veranstalter gesetzt.
Rasante Entwicklung
Das Red Bulls Salute - 2005 erstmals mit den vier Clubs ERC Ingolstadt (GER/Sieger), HC Budejovice (CZE), Södertälje SK (SWE) und Salzburg ausgetragen - mauserte sich innerhalb kürzester Zeit zum wohl am besten besetzten Clubturnier in Europa. Die Entwicklung zu einer Eliteliga ähnlich der NHL bzw. der 2008/09 erstmals ausgetragenen Kontinental Hockey League (KHL) - mit Clubs aus Russland, Kasachstan, Lettland und Weißrussland -, scheint geebnet. Die Frage ist inzwischen wohl nicht mehr, ob sie kommt, sondern wann (und in welcher Form) sie kommt.
Denn viele große europäische Eishockeyclubs befinden sich auf einem guten Weg der Annäherung, vorrangig mit dem Ziel, das Eishockeyniveau auf Clubebene in Europa zu steigern - die European Trophy ist der beste Beweis. Das Turnier setzt auch ein starkes Zeichen dafür, dass so etwas möglich ist. Von einer „echten“ Europaliga ist man derzeit aber noch weit entfernt.
Peter Falkner, ORF.at
Gruppeneinteilung der European Trophy 2011
West Division:
Red Bull Salzburg, Färjestads BK (SWE), Frölunda Indians (SWE), Eisbären Berlin (GER), TPS Turku (FIN), Tappara (FIN)
North Division:
Djurgaardens IF (SWE), Lulea HF (SWE), Sparta Prag (CZE), Slavia Prag (CZE), IFK Helsinki (FIN), Jokerit Helsinki (FIN)
East Division:
Vienna Capitals, Oulun Kärpät (FIN), KalPa Kuopio (FIN), Mountfield Budejovice (CZE), HC Plzen 1929 (CZE), Slovan Bratislava (SVK)
South Division:
HV71 Jönköping (SWE), Linköpings HC (SWE), Kometa Brno (CZE), Eaton Pardubice (CZE), Bili Tygri Liberec (CZE), Adler Mannheim (GER)
Der erste Spieltag ist am 11. August, die Caps spielen zu Hause gegen Kärpät, Salzburg bei Fjärestad.



Nach oben















