LarsUlrich sagte am 22. February 2011 - 18:46:
warum hat sich der zweierzug etabliert? hat sich da was an den fahrzeugen verändert?
warum kriegt der bayne (?) keine punkte und startet trotzdem? zum spaß? kann man das vgl. mit einer österr. staatsmeisterschaft, die ein slowene gewinnt?
die rennen werden übrigens auf servustv (re-)live gezeigt
@Zweierzug: Das in den Motorsportmedien viel zitierte "BumpDrafting" ist schon seit jeher Teil des amerikanischen StockCar-Sports. Dahinter steckt in erster Linie der aerodynamische Vorteil, der sich sowohl für den "anführenden", als auch für den dahinter liegenden Fahrer rentiert.
Laienhaft ausgedrückt saugt sich der Hintermann durch den Windschatten an den Vordermann heran, wodurch er eine Art Luftpolster vor sich her schiebt.
Und dieser Luftpolster sorgt quasi bei Aufprall für einen Pusheffekt, der den Vordermann beschleunigt. Dadurch gerät der Hintermann wieder in ein Luftloch und der Vorgang wiederholt sich.
Ein Meister dieser Art des Fahrens war übrigens der legendäre Dale Earnhardt. Earnhardt nutzte nämlich diesen Luftpolster nicht nur dazu, sich anzusaugen und den Vordermann dadurch zu beschleunigen, sondern auch dazu, mit einem etwas versetzten Anfahrtswinkel den Vordermann aus der Spur zu bringen. Diese Art, den Vordermann ins Schleudern zu bringen, nennt man im Fachjargon "intimidating!, was Earnhardt auch bald den Spitznamen "The Intimidator" einbrachte.
Dass sich der angesprochene Zweierzug heuer derart ausgeprägt entwickelte, hat allerdings eine ganz andere Ursache. Im Normalfall ist die angesprochene Art des Beschleunigens nur in geringem Maß anwendbar, da ein Großteil der Ovalkurse eine ehen ruppigen bzw. unruhigen Bodenbelag aufweist.
Der legendäre Daytona-Speedway wurde Ende vergangenen Jahres neu asphaltiert, wodurch die Fahrer heuer eine komplett ebene Fahrbahn vorgefunden haben. Und dieser ebene Bodenbelag kommt dem BumpDrafting naturgemäß besonders entgegen.
Auf anderen Superspeedways wie z.B. Talladega werden wir wieder die "normale" Fahrweise zu sehen bekommen, da dort der unruhige und rissige Betonuntergrund den "Zweierzug" kontraproduktiv machen würden. Dreher und Unfälle wären dann unvermeidbar.
@ Trevor Bayne: Die großen US-Rennserien sind - ein wenig vergleichbar mit den europäischen Fussball-Ligen - in Klassen eingeteilt. Bei NASCAR ist es so, dass der Sprint-Cup die erste Liga ist. Dahinter kommt dann die "Nation Wide Serie", dann die NASCAR-Truck-Serie, darunter die ARCA-Serie usw.
Die Staffelung soll unter anderem auch garantieren, dass Neulinge zunächst in unterklassigen Serien ihre Erfahrungen sammeln, um dann mit gewissen Erfahrungswerten in die erste Liga zu kommen. Trotzdem war es in der Vergangenheit so, dass viele der Starpiloten beispielsweise die Nation Wide Serie dazu genützt haben, sich auf die - zumeist am nächsten Tag stattfindenden - Hauptrennen "einzuschiessen", also vorzubereiten. Denn selbst wenn zwischen den Fahrzeugen des Sprintcups und der NWS bauliche und technische Unterschiede bestehen (PS, Radstand, etc.), so war dies bislang doch eine Möglichkeit, sich auf dei Pistenverhältnisse einzustellen und so "nebenbei" auch gutes Preisgeld abzustauben.
Ausserdem hat ein Mehrfach-Antreten zumeist den Verlauf der Meisterschaft verfälscht und beeinflußt.
Und um dies zu verhindern, führte NASCAR heuer ein neues Reglement ein. Alle Piloten, die sich für ein Antreten bei NASCAR entscheiden, müssen vor Saisonbeginn ihre "Hauptserie" bekannt geben. Und nur in dieser Serie können sie dann auch Punkte für die Meisterschaft erzielen.
Dieses Reglement sorgte also gestern bereits für ein Novum bei NASCAR, denn dass jemand das Great American Race gewinnt und Daytona trotzdem punktelos verläßt, war noch nie da.
Anzumerken ist vielleicht noch, dass die Entscheidung von Bayne, sich heuer zunächst einmal auf die NWS zu konzentrieren, prinzipiell ja völlig nachzuvollziehen ist. Denn wie schon erwähnt ist der 20jährige Amerikaner ein absoluter NASCAR-Rookie und sein Team "Wood Brothers" wartet bereits seit 2001 auf einen Sieg in der obersten "Spielklasse".
Das Preisgeld (das ja gerade in Daytona nicht gerade unbedeutend ist), erhält er natürlich trotzdem. Und der Ruhm, den ein Daytona-Sieg mit sich bringt, wirkt sich auch sehr lukrativ auf die Sponsorenbeträge aus.
@Servus-TV: Jeden Montag gibt es im Anschluß an den Sport-Talk ein einstündiges NASCAR-Magazin, in dem ausführlich vom Rennen des vergangenen Sonntags berichtet wird. "As Live" kann man dies allerdings - leider - nicht bezeichnen, denn die Dauer eines Rennens beläuft sich auf 3,5-4 Stunden (es wird zumeist die Distanz von 400 oder 500 Meilen absolviert).
@ Nussis Einwand bzgl. Jimmy Johnson: Du hast natürlich recht! Johnson ist der erste Pilot, der es geschafft hat, 5 Meisterschaften in Folge zu holen, was für NASCAR eigentlich überhaupt nicht typisch ist, da - wie auch bei den IndyCars - die Regeln des Veranstalters darauf ausgelegt sind, möglichst spannende Rennen und eine möglichst große Anzahl an Siegern zu erzielen.
Bei Johnson sah es übrigens im Vorjahr lange gar nicht danach aus, dass er wieder den Titel einfahren wird können. Erst im sogenannten "Chase" spielte er dann all seine Routine und Klasse aus und sicherte sich im letzten Saisonrennen eben besagten 5. Titel.
Ach ja, für alle NASCAR-Neulinge: was ist der "Chase"?
Nun, so nennt NASCAR ein seit einigen Jahren (ich glaube 2006 war dies erstmals der Fall) geltendes "Play-Off"-System. Nach absolvierten 26 Rennen qualifizieren sich die 12 besten Piloten für den Endkampf um den Titel. Zu diesem Zweck erhalten die 12 Piloten eine höhere Anzahl an Punkten, um von den anderen Fahrern nicht mehr eingeholt werden zu können, und fahren sich den Meistertitel untereinander aus.
Bis zum Vorjahr funktionierte dies so, dass nach besagten 26 Rennen die ersten 12 der Punktewertung auf 5.000 Punkte angehoben wurden und dazu pro erfahrenem Sieg 10 Extrapunkte erhielten, während der Rest des Feldes einen Punktestand von 3.000 oder weniger Punkten aufgewiesen hat.
Heuer ist dies wieder ein wenig verändert worden, da ja anders als früher der Sieger "nur noch" 43 Punkte erhält, der Zweitplazierte 42 und so wieter bis zum Letzten (43.), der noch einen Zähler erhält.
Zusätzlich erhält jeder, der zumindest eine Runde das Feld anführt, einen Extrapunkt, sowie derjenige, der am Ende die meisten Führungsrunden aufweist, ebenfalls einen Extrapunkt.
Alle anderen Piloten, die sich nicht für den Chase qualifizieren, erhalten in den letzten 10 Rennen natürlich auch die volle Punktezahl für die Plazierung und auch das - nicht unwesentliche - Preisgeld.
Sodale, das war jetzt ein wenig ausführlich, aber ich hoffe, damit mal die wichtigsten Fragen beantwortet zu haben. Sollten Unklarheiten auftauchen, bitte einfach fragen, ich werde mich bemühen die Fragen auch zu beantworten. Ansonst bleibt mir nur, Euch die Übertragungen ans Herz zu legen. Spannender als in der F1 geht es allemal zu, wie ich denke.
Dieser Beitrag wurde von holybatman bearbeitet: 22. February 2011 - 20:02