war am SA in den SN:
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Haiti, die chaotische Republik der NGOs
Entmündigt und unter Fürsorge: Ein Jahr nach dem Erdbeben ist Haiti fest in den Händen der internationalen Hilfsindustrie.
So groß waren die Erwartungen. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einer „umfassenden Übung in Nation-Building“ in einer Größenordnung, „wie es sie seit Generationen nicht gegeben hat“. Milliarden Dollar und Euro waren zugesagt, Versprechen gegeben. Nun, knapp ein Jahr nach dem Katastrophenerdbeben mit rund 300.000 Toten in Haiti, liegt immer noch der Schutt in den Straßen der Hauptstadt Port-au-Prince. Hunderttausende Menschen wohnen in Zeltstädten. Der Zuzug ist groß. Immerhin gibt es gratis Fürsorge, das ist mehr, als das Leben in vielen anderen Teilen dieses zerstörten Landes bietet. Von der „umfassenden Übung in Nation-Building“ ist wenig zu sehen. Wieder einmal, wie in Bosnien, im Kosovo, in Afghanistan, halten die Ankündigungen der internationalen Gemeinschaft der Realität nicht stand.
Haiti, das zum Vorzeigeprojekt hätte werden sollen, mit sozusagen guten Startbedingungen, ein Land ohne Krieg nämlich, ohne religiösen Fanatismus, ohne große geopolitische Bedeutung, ist zur Republik der NGOs geworden. Rund 600 sind registriert. Schätzungen berichten von mehr als 10.000, darunter Nothelfer von Scientology oder „Samaritan’s Purse“, einer radikalen US-Missionstruppe.
Viele NGOs leisten gute Arbeit. Sie versorgen die Menschen. Sie bieten Jobs. Sie geben wirtschaftliche Impulse. Sie haben Geld. Krisenkapitalismus, sagen Kritiker. In regelmäßigen Meetings versuchen die größten NGOs, einander abzustimmen. Doch jede hat ihre eigene Vision, ihr spendenabhängiges Konzept.
Die wenigsten NGOs haben eine Exit-Strategie. Sie wissen nicht, wann sie abziehen sollen. Es gibt immer etwas zu tun.
Die Hilfsindustrie rückt ein, wo die internationale Politik versagt. Nicht einmal schweres Räumgerät steht in Port-au-Prince zur Verfügung. Vom versprochenen Geld zum Wiederaufbau ist nur ein kleiner Teil angekommen. Das politische Personal sei notorisch korrupt, so die Begründung. Warum ihm dann im De-facto-Protektorat Haiti gestattet wird, weiter an den Fleischtöpfen zu bleiben, ist ebenso rätselhaft wie der viel zu frühe Ruf zu Wahlen, die – wie nicht anders zu erwarten – vom notorisch korrupten politischen Personal manipuliert worden sind.
Was Haiti fehlt, was der immer wieder scheiternden „Übung in Nation-Building“ fehlt, sind ein Masterplan und jemand, der ihn umsetzt. Das könnte in Haiti eine mit UNO-Mandat legitimierte kleine Gruppe von Nationen sein, die professionelle Aufbaumanager einsetzt, Fristen setzt, Vorgaben macht.
Vor allem aber müsste Schluss mit der Entmündigung der Befürsorgten sein – auch wenn das bedeutet, auf Abhängigkeit der Alimentierten, politischen Dauerzugriff und ewig sprudelndes Spendengeld zu verzichten.
Seite1 / 15.01.2011 15.01.2011 / Print var newsIcon = new GIcon(G_DEFAULT_ICON); newsIcon.image = "/images/faehnchen.gif"; markerOptions = { icon:newsIcon }; var latlng = new GLatLng(18.5392, -72.3288); var gmarker = new GMarker(latlng, markerOptions); map.addOverlay(gmarker); gmarkers.push(gmarker.getLatLng()); centerMap();