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Die EM fasziniert. Doch hat das Fest auch Schattenseiten. Im ersten Teil der Flop-Reihe: Gewalt, Rassismus und der Turniermodus.

Krawalle gab es im Wiener Bezirk Ottakring zwischen Türken und Kroaten.
Weitestgehend friedlich, ruhig und ohne große Komplikationen: So verlief die Europameisterschaft bisher. Einer der Gründe dafür ist sicher die große Polizeipräsenz in Stadien und Fanzonen. Doch weitestgehend bedeutet nicht, dass die EURO bisher komplett ohne Zwischenfälle verlief. „Alle Polen müssen einen gelben Stern tragen“, skandierte eine Gruppe deutscher Neonazis vor dem Auftaktspiel der DFB-Elf in Klagenfurt. 140 Männer wurden festgenommen.
Reichlich peinlich wirkte auch diese Enthüllung: Bei einer Überprüfung von deutschen Firmen, die für die Sicherheit der EM-Gäste in Klagenfurt zuständig waren, stellte sich heraus, dass neun Security-Mitarbeiter der Polizei als Hooligans bekannt waren. Da bekommt die Redensart "Feuer mit Feuer bekämpfen" doch gleich eine neue Facette…
Fliegende Flaschen und Pflastersteine
Doch nicht nur die deutschen Fans fielen aus dem Rahmen. Flaschen und Pflastersteine flogen nach dem Viertelfinalspiel zwischen der Türkei und Kroatien im Wiener Bezirk Ottakring. Zuvor kam es bereits in der Wiener Fanzone zu Schlägereien zwischen Türken und Kroaten. Im Ernst-Happel-Stadion selbst fielen einige kroatische Fans durch das Tragen von Ustascha-Symbolen auf, einer faschistischen, kroatischen Bewegung. In Kroatien wird das Zurschaustellen dieser Symbole seit 1991 strafrechtlich verfolgt. Dem kroatischen Fußball-Verband (HNS) droht nun eine schwere Strafe, die vom Ausschluss der Öffentlichkeit bei Spielen der Nationalmannschaft bis zum Ausschluss kroatischer Vereine aus dem Europacup in der Saison 2008/09 führen könnte.
In der türkischen Provinz Gaziantep wurden Freudenschüsse anlässlich des Halbfinaleinzugs zum tödlichen Treffer. Eine Kugel traf einen Mann am Kopf. Auch ein Kind wurde von einem Querschläger verletzt.
Nach dem Halbfinalspiel Deutschland – Türkei kam es in Dresden zu Tumulten. Eine Gruppe von randalierenden Jugendlichen griff mehrere Kebab-Stände an. Dabei wurden zwei Menschen verletzt.
Nationalsozialistische Hymne im Schweizer Fernsehen
Ein Malheur unterlief dem Schweizer Fernsehen (SF2). Dieses untertitelte die deutsche Nationalhymne vor dem Spiel zwischen Österreich und Deutschland mit den falschen Worten. „Deutschland, Deutschland über alles“, war da zu lesen – die längst nicht mehr gebräuchliche und durch den Nationalsozialismus gebrandmarkte erste Strophe des Deutschlandliedes. Die falschen Zeilen wurden im Teletext eingeblendet, der Gehörlosen den Fußballgenuss näher bringen sollte.
Aufreger: der neue Turniermodus
Für Unmut und eine wenig spannende Vorrunde sorgte eine UEFA-Neuerung des Turniermodus. Es wurden eigentlich zwei separate Turniere gespielt, denn die beiden Tableau-Hälften waren strikt separat. Schon vorher stand fest: Eines der acht Teams aus den Gruppen A und B kommt ins Finale, eines aus den Vorrundengruppen C und D. Anders als bei früheren Fußballturnieren gab es keine Kreuzungen der Wege Richtung Finale. Es war also nicht mehr möglich, dass sich - wie etwa 2004 mit Portugal und Griechenland - zwei Teams im Finale gegenüberstehen, die bereits in der Gruppenphase Gegner waren.
In der Gruppenphase zählte zudem das direkte Duell und nicht länger das Torverhältnis. Ohne diese Änderung hätten Kroaten, Spanier und Portugiesen sich noch einmal ins Zeug legen müssen, hätten an den letzten Gruppenspieltagen keine Freundschaftsspiele mit ihren B-Teams austragen können. Der Hintergrund: Die UEFA wollte eine mögliche Wettbewerbsverzerrung durch kürzere Ruhepausen eines Teams verhindern, nahm dem Turnier aber so seine Unberechenbarkeit – und die Spannung.
Artikel vom 27.06.2008 14:50 | KURIER | Björn Goldmann
http://www.kurier.at...otor/171528.php



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