Geschrieben 06. June 2006 - 16:38
Interessanter Beitrag aus der NZZ die sich mit Trainer Aragones, der Aufstellung und der Befindlichkeit der Iberer vor der WM befasst:
"..... Luis Aragonés, der die kastilische Lebensart verkörpert: den zuweilen schroffen, aggressiven Ton, Lebensfreude, Generosität und einen Schuss Bauernschläue. Wem, wenn nicht ihm, sollte es der Verbandspräsident Villar zutrauen, Spanien endlich aus dem Schatten grosser Nationen herauszuführen? Schon auf mehreren Klub-Bühnen war der 67-jährige Madrilene erfolgreich; nichts reizt ihn mehr als die Aussicht, ein Stück Nationalgeschichte zu schreiben, verschiedene Mentalitäten zu mischen und jenseits von Klubinteressen und Eitelkeiten ein Erfolgsteam zu formen. Das Ziel ist klar umrissen: «mindestens den Mythos Viertelfinal überwinden», jene Hürde, die für die Spanier an grossen Turnieren stets zu hoch lag und öfter knapp gerissen wurde. Besser noch Weltmeister werden. Zwar mussten die Iberer durch die Barrage; Luis Garcias Hattrick löste die Aufgabe schon vor dem Rückspiel in Bratislava und sicherte die achte WM-Teilnahme in Folge. Mit Aragonés ist die Selección seit 19 Spielen unbesiegt - obschon ihre Auftritte selten über alle Zweifel erhaben waren und Kritiker wieder den Teufel an die Wand malen liessen. Der Albtraum des frühen Ausscheidens hat Spuren hinterlassen, auch den Vorteil, dass Spanien nicht zum Favoritenkreis zählt und aus dem Windschatten angreifen kann.
Junge Wilde und ein Handicap
Das Durchschnittsalter ist mit unter 25 Jahren tief. Es signalisiert einen Wandel, Vertrauen in die jungen Wilden, die nicht mit negativen EM- oder WM-Erfahrungen vorbelastet sind, sondern in ihren Klubs nach den Sternen griffen: der Katalane Cesc Fabregas und der Andalusier Reyes mit Arsenal, der Baske del Horno mit den Chelsea- Millionarios. Reina, Luis Garcia, Xabi Alonso und Morientes (er ist 30 und figuriert nicht im WM-Kader) gewannen im letzten Jahr mit Liverpool die Champions League. Statt in Barcelona oder Madrid für Weltstars Spalier zu stehen, sind sie ausgerechnet im Land des einstigen Rivalen um die maritime Vorherrschaft auf gutem Weg, selber solche zu werden.
Aragonés erntet die Früchte. Auf dem Markt der Primera División, die sich als Liga der Stars verkauft, gedeihen junge Pflanzen langsamer und spärlicher. Immerhin haben Javi Venta (Villarreal) und Andres Iniesta (Barcelona) heuer den Durchbruch geschafft und ihre WM-Nominierung gerechtfertigt. Mit Iniesta, Xavi, Xabi Alonso und Cesc steht dem «Weisen von Hortaleza» in der Aufbaureihe ein kreatives Potenzial zur Verfügung, um das ihn viele beneiden. Scheibenwischer vor der Abwehr ist ein Hispano-Brasilianer, die Arbeitsbiene Senna von Villarreal. Bleibt das alte Problem im Abschluss, das Aragonés aufstösst: «Uns fehlen Tore.» Ob Fernando Torres von Atlético Madrid und der asturische Shootingstar Villa aus Valencia ihn eines Besseren belehren? Oder läuft gar Raúl nach langer Durststrecke in Madrid zu Hochform auf? Aragonés hat nur drei Stürmer nominiert.
Auf den Zug springen
So zerstritten die Spanier bisweilen sind, so gern sonnen sie sich im Erfolg von Landsleuten. Dann verwenden sie das Bild der Ananas, Symbol von Einheit. Auch der gute Lauf wird beschworen, heuer fast inflationär: Alonso in der Formel 1, Nadal im Tennis, Gibernau und Pedrosa auf Motorrädern, die Handballter aus Ciudad Real, die Futsal-Equipe von Boomerang - in etlichen Sportarten haben die Conquistadores Spitzenränge erobert, auch im Fussball: Sevilla und Barcelona in den europäischen Klubwettbewerben. Arsenal ist spanisch angehaucht. Die Vermutung liegt nahe, das Nationalteam werde in den gleichen Sog geraten, sich anstecken lassen vom Esprit der Winner."
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Ich finde, dass es die Spanier zwar fussballerisch drauf hätten aber wieder einmal Opfer ihrer Nerven werden könnten. Vor allem weil immer Ausländer in allen erfolgreichen spanischen Clubmannschaften die Schlüsselspieler waren und sie deshalb dem Druck nicht gewachsen sein werden...... LEIDER.
Wacker Innsbruck