Geschrieben 14. Januar 2005 - 02:01
Hab zwar heut um 20:00 auch net sport gschaut aber der Artikel war heut im Standard
Ein Sittenbild: Kärntner Intrigen um geplantes EM-Stadion
Hintergrundbericht zum Vergabeverfahren, das nun völlig offen ist
Klagenfurt - Als feststand, dass Klagenfurt Austragungsstätte für die Fußball-EM 2008 werden soll, waren sich alle einig: Kärntens Landeschef Jörg Haider, das Klagenfurter VP-Stadtoberhaupt Harald Scheucher und sämtliche Politiker jeglicher Coleurs. Eine solche Jahrhundertchance dürfe man sich nicht entgehen lassen. Und Haider, der eine neue attraktive Spielstätte für den FC-Kärnten schaffen wollte, drängte am meisten.
Knapp drei Wochen vor der "Deadline" für die Bauvergabe des neuen 66,5 Mio. Euro teuren Fußballstadions droht das gesamte Projekt wieder einmal zu platzen. Denn Haider will das bisherige Verfahren wegen angeblicher Bieterabsprachen stoppen und eine neue Vergabekommission bilden. Das würde sich allerdings fristmäßig nicht mehr ausgehen, weil laut den EM-Veranstaltern Bund und UEFA das Stadion bis Ende 2006 fertig sein muss.
Von Pleiten und Pannen begleitetet
Jüngster Anlass für das neuerliche Chaos in dem bisher schon von Pleiten und Pannen begleiteten Stadionprojekt ist nun das laufende Vergabeverfahren, aus dem in einem ersten Zwischenstand die Porr- Alpine-Mayreder mit rund 9,5 Millionen Euro Differenz als Billigstbieter hervorgeht. Doch diese Entscheidung zugunsten der von Bürgermeister Scheucher favorisierten Porr, die eigentlich noch gar nicht öffentlich sein dürfte, wähnt Haider "getürkt". Er ließ seine Vertrauensleute in der Kommission für die Strabag von Hans-Peter Haselsteiner stimmen, worauf ihm prompt Scheucher vorwarf, das Vergabeverfahren solange bekämpfen zu wollen, bis die Strabag als Sieger hervorgeht.
Eskalation vor Weihnachten
Als kurz vor Weihnachten die Situation mittels Gutachterstreit und Haider-Anzeige bei der Staatsanwaltschaft zu eskalieren drohte, reichte es Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der wegen der Kärntner Kabalen um das Stadion-Prestigeprojekt eine Riesenblamage für Österreich fürchtete. Sportstaatssekretär Karl Schweizer sollte dem unprofessionellen Chaos in Kärnten mittels eines Obergutachtens der Vergabeexperten Aicher und Holoubek ein Ende setzen. Dieses stellte zwar offenkundige Verfahrensmängel fest, da diese aber nicht rechtswidrig sind sei eine Fortführung des Verfahrens möglich - ohne massive Schadenersatzforderungen ausgebooteter Bieter befürchten zu müssen.
Sittenbild
Im Zuge der Schlammschlacht um das Klagenfurter EM-Stadion wurde einmal mehr ein Sittenbild sichtbar, wie in Kärnten mit Großprojekten umgegangen wird: So soll Haider den Auftrag der Strabag zugesichert haben, weil Haselsteiner ihm gedroht haben soll, alle finanziellen Zuwendungen an Haiders Kärnten-Stiftung zu streichen. Was Haselsteiner freilich dementiert. Doch die Strabag war schon 2003 Favorit der FPÖ für den Stadionbau - damals noch für einen anderen Standort.
Einer von Haiders Vertrauensleuten soll dann auch laut Aktenvermerk aus dem Bundeskanzleramt versucht haben, die Kommission zugunsten der Strabag zu beeinflussen oder wenigstens eine Teilung des Auftrages zwischen Porr und Strabag zu erreichen.
Umgekehrt taucht eine bekannte Scheucher-Seilschaft als Planer im Porr-Konsortium auf. Obwohl das Verfahren jetzt weitergeht, ist der Ausgang völlig offen: denn in der Bewertungskommission herrscht das Einstimmigkeitsprinzip. Kommt es zu keiner Einigung muss die Stadt als Bauherr entscheiden - und sich eine politische Mehrheit suchen - oder den Traum von der EM endgültig begraben. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 13. Jänner 2004, Elisabeth Steiner)