Austrian Soccer Board: FIFA lernt aus katastrophalen Fehlern - Austrian Soccer Board

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Beinahe wäre das gesamte Ticketing-System für die WM-2010 zu einem riesigen Desaster für die FIFA geworden. Nun sieht es jedoch danach aus, dass der schwerfällige Apparat gerade noch die Kurve kriegt.

Als die ersten Tickets für die Weltmeisterschaft 2010 über das Internet freigegeben wurden, rechnete die FIFA noch mit rund 450.000 Fußballfans, die den Weg nach Südafrika auf sich nehmen. Nach aktuellen Berechnungen werden jedoch nur etwa 200.000 Touristen zu diesem Turnier pilgern, die Erwartungen der FIFA erfüllen sich anscheinend nicht einmal zur Hälfte. Jérôme Valcke, seines Zeichens Generalsekretär der FIFA, hatte schnell die Schuldigen dieser Misere ausgemacht, denn wenn es nach dem Franzosen geht, dann sind die europäischen Fans von dem Fußball-Überangebot ermüdet und gelangweilt. Champions-League, diverse Cupbewerbe und nationale Meisterschaften machen den Konsumenten satt, sodass er sich diese Reise spart. Zudem zeichnen die Medien ein düsteres Bild von Südafrika, sodass sich viele Fans aus Angst vor der hohen Kriminalitätsrate die Spiele lieber im eigenen Wohnzimmer ansehen.

500.000 Tickets zu haben

Jérôme Valcke macht es sich jedoch etwas zu leicht, denn die FIFA hat selbst zahlreiche schwere Fehler zu verantworten. Besonders in Südafrika blieb der Ticket-Verkauf stark hinter den Erwartungen zurück, was darauf zurückzuführen war, dass man Eintrittskarten nur über das Internet bestellen konnte. Ein großer Teil der südafrikanischen Fußballfans ist arm, hat kein Bankkonto, geschweige denn einen Internetzugang. Auf diesen Umstand wurde die FIFA schon vor Monaten aufmerksam gemacht, gehandelt hat sie dennoch erst 60 Tage vor Beginn des Turniers. Ein weiteres Problem ist, dass für viele Afrikaner eine Reise zu dem Turnier schwieriger ist, als für uns Europäer. Die meisten Flüge nach Südafrika gehen nämlich über Europa und die Kosten sind selbst für die reicheren Schichten noch immer enorm hoch.

Aus den Fehlern lernen

Immerhin scheint die FIFA in letzter Sekunde aus diesen Fehlern gelernt zu haben und setzt nun Gegenmaßnahmen. In der vergangenen Woche konnte man zum ersten Mal in Südafrika an Verkaufsständen Tickets erwerben – ganz ohne Internet und Kreditkarte. In den ersten beiden Tagen gingen 100.000 Karten über den Ladentisch, wobei auch diese Aktion nicht reibungslos ablief, da die Computer dem gewaltigen Ansturm nicht standhielten, was zu zahlreichen Schlägereien um die begehrten Tickets führte. In dieser Woche soll man die Karten zudem in ausgewählten Supermärkten kaufen können. Durch diese Aktionen brachte die FIFA nun eine Million Eintrittskarten im Austragungsland an, was durchaus als großer Erfolg zu bewerten ist. Zudem hat FIFA Boss Sepp Blatter angekündigt, dass seine Organisation günstige Charterflüge auf dem afrikanischen Kontinent organisieren wird, um dieses Problem ebenfalls in den Griff zu bekommen. Im Endeffekt scheint es nun doch so, dass der schwerfällige FIFA-Apparat kurz vor Beginn des Turniers seine Fehler eingesehen und zumindest teilweise behoben hat. Wir werden spätestens bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien sehen, ob die FIFA auch langfristig aus diesen Erfahrungen lernen wird.
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